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Skate / Training

Carver Surfskate Test Streetboardz Dragon – Trainieren wie die Pros

Darüber, dass Carver Surfskates total im Trend liegen, wurde hier schon berichtet (Siehe Beitrag über Surfskates). Auch über die gängigsten Hersteller wie z.B. YOW, Carver oder Smoothstar. Hierzulande kaum bekannt ist dagegen die australische Marke Streetboardz. Da der nationale australische Surfverband Surfing Australia diese in seinem Olympia Trainingszentrum HPC verwendet, liegt es aber nahe sie sich mal genauer anzusehen.

Zum Glück gibt es das Internet. So gibt es kaum noch Grenzen, wenn es darum geht sich die neuesten Gadgets aus dem Surf-Sport zu besorgen. Die Marke Streetboardz ist nämlich in Europa ein echter Exot und man kann nicht behaupten, dass es dafür hier ein wirklich brauchbares Distributionsnetz gibt. Mit etwas Geduld und entsprechenden Versandkosten, findet über die Seite www.streetboardz.net so ein Teil aber den Weg zu euch (Für ca. 170 Euro plus Versand).

Doch warum solltet ihr den Aufwand betreiben? Es gibt ja mit den oben genannten Marken mehr als genug Alternativen. Der Grund, der dafür spricht mal ein Streetboardz Dragon Carver Surfskate zu testen liegt darin, dass es sich um einen anderer Board-Typ handelt als die meisten gängigen Surfskates. Diese sehen in der Regel aus wie ein Cruiser Longboard, haben aber teilweise eine drehbar gelagerte Vorderachse.

Diese Bauweise hat aber einen Nachteil: Turnen, Speed generieren, Rail to Rail – Alles geht viel einfacher und mit weniger Körpereinsatz, als beim „richtigen“ Surfen. Etwas „Wigglen“ mit der Hüfte und schon kommt man auf Geschwindigkeit. Mit halbwegs ordentlicher Technik wird’s sogar schnell richtig flott. Beim Umstieg aufs Wasser macht sich dann aber vielleicht bemerkbar, dass den eingeübten Bewegungsmustern noch der letzte Punch fehlt. Beim Streetboardz ist das anders.

Carver Surfskate Streetboardz Dragon: Das Test-Board

Wie aber realisiert im Gegensatz dazu unser Testobjekt das Surf-Feeling auf dem Skateboard? Das Dragon Carver Skateboard kommt ohne vertikales Drehgelenk aus. Vorder- und Hinterachse sind identisch und die Konstruktion sieht ziemlich Robust aus. Beide Achsen sind jeweils drehbar um die horizontale Längsachse gelagert.

 

Streetboardz Surfskate Achse

Sieht Robust aus: Am Material wurde bei den Achsen nicht gespart.

Dabei werden Sie links und rechts von je einer Feder gedämpft. Diese können getauscht werden und sind in drei Stärken erhältlich (lose, mittel, steif), abhängig von der Präferenz des Fahrers. Zurzeit werden die Boards mit 3 Sätzen in allen Stärken ausgeliefert, Ersatz ist für 10 Euro pro Satz erhältlich.

Bei den Streetboardz wird das smoothe Surf-Feeling beim Carven aber nicht nur durch die Federn erreicht sondern ebenso durch das leicht elastische Holz-Deck. Dieses ist in 3 verschiedenen Dicken erhältlich, welche für Fahrer unter 70kg, 70-95kg oder über 95kg ausgelegt sind. Die Decks laufen vorne etwas schmaler zu, während sie an der Hinterachse einen kleinen „Squash-Tail“ haben.

Nun aber genug der Theorie. Sportgräte sind schließlich dafür gedacht, dass man sie benutzt und nicht zum drüber totschwafeln. Also raus aufs Brett.

Der Vergleich zu anderen Carver Surfskates wie YOW oder Smoothstar

Erstmal einrollen. Sofort merke ich, dass sich der Dragon Carver völlig anders fährt als das YOW Surfskate, dass bei mir zuhause im Keller steht. Die Achsen sind sehr breit und das Deck liegt tief. Dadurch lässt es sich trotz der relativ weichen Federn an den Achsen halbwegs stabil pushen (d.h. abtreten vom Boden zur Geschwindigkeitsgewinnung, wie beim „klassischen“ Skateboard) . Bei YOW & Co. Ist das nur bedingt möglich – bei diesen ist das Pumpen die Technik der Wahl um auf Speed zu kommen.

Schnell stelle ich fest, dass dies beim Streetboardz wiederum deutlich schwieriger ist. Ein leichter push gefolgt von einer lockeren Pump-Bewegung über die Frontside und schon… passiert garnichts (Außer, dass ich fast vom Board falle).

Im Gegensatz zur Konkurrenz toleriert das Dragon mittelmäßige Technik und halbherzige Bewegungsausführung nicht. Und es braucht erstmal Geschwindigkeit, mit der man arbeiten kann.

Fahrfehler quittiert der Streetboardz Carver sofort mit Geschwindigkeitsverlust

Das heißt zu Beginn muss ein paarmal kräftig gepuscht werden, damit es richtig losgehen kann. Danach beschleunigt das Board durchaus auch durchs Pumpen. Allerdings nur durch „richtiges“ Pumpen mit aller Überzeugung, wie es auch auf dem Surfboard erforderlich ist. Der ganze Körper muss sich strecken, die Arme weit nach oben gehen und viel Kraft aus den Beinen kommen. Eine schlechte oder kraftlose Bewegung quittiert das Surfskate sofort durch einen Verlust an Geschwindigkeit.

Bei YOW oder Smoothstar Surfskates lässt sich bei sauberer Technik auch bei ausfallenden Carves und Turns die Geschwindigkeit problemlos aufrechterhalten, ohne dass erneut gepumpt werden muss.

Das Streetboardz Dragon verliert dagegen auf ebener Strecke immer an Speed, so lange nicht mit vollem Körpereinsatz gepumpt wird. So muss halt zwischendurch immer mal wieder gepusht oder eine leicht abfallende Strecke gewählt werden.

Das in Kombination mit einem größeren Wendekreis führt dazu, dass man mit dem Streetboardz Dragon mehr Raum zum Skaten benötigt. Die „herkömmlichen“ Modelle können sich zur Not auch mal mit einer größeren Terrasse begnügen, bei diesem Board wäre das undenkbar.

Mit meinem YOW Board lässt sich zwischendrin ohne großen Aufwand ein Slide hinlegen. Mit einer leichten Hüftdrehung und Entlastung bricht das Tail aus – so eine Art Trocken Snap. Beim Surfen ist das natürlich 100-mal schwieriger. Auch der Dragon Carver fordert deutlich mehr Einsatz und eine saubere Ausführung. Aufs Wellenreiten bezogen ist das dann entsprechend realistischer.

In der Summe Streetboardz aufgrund seiner Größe und Bauweise also einfach träger, schwerer zu beschleunigen und erfordert mehr Körpereinsatz. Ob man das nun als Vor- oder Nachteil bewertet, liegt an der Betrachtungsweise. Wer Spaß an erste Stelle setzt und auf engstem Raum das innere Kind rauslassen will, der ist mit einem YOW besser bedient.

Wer gezielt trainieren möchte und direktes Feedback für halbherzige Bewegungsabläufe will, der sollte ernsthaft über das Streetboardz Dragon Carver Surfskate nachdenken. Aber bitte nicht missverstehen: Auch dieses Board macht Spaß, genauso wie das YOW auch als Trainingsgerät herhalten kann. Und das ist gut so, denn schließlich wollen wir ja beides: Besser surfen und im Optimalfall dabei noch eine Menge Spaß haben. Beide Boards setzen dabei halt einfach einen anderen Schwerpunkt.

Surf Training mit dem Streetboardz Surfskate

Surfskate Training Streetboardz

Hier ist das Surfboard in seinem Element: Gezieltes Training der Bewegungsmuster (Foto: Pro Performance Surf Coaching)

Beim Streetboardz liegt der Fokus wie gesagt auf der realistischen Schulung von Bewegungsabläufen. Also ran ans Training! Mein Coach ProPerformanceSurfCoaching schickt mich genau deshalb mit dem Streetboardz Dragon auf die Strandpromenade von Figueira da Foz. Er benutzt es mit all seinen Coachees um Bewegungs- und Blickmuster einzustudieren und zu automatisieren.

Mit dabei: Ein paar Hütchen, die die Scheitelpunkte für Turns anzeigen. Auf dem Lehrplan steht für mich die Transition zwischen Turns auf einer Welle zu üben. Drei Hütchen, also drei Turns sind abzuarbeiten. Da das Dragon relativ Träge ist und sich nicht ohne weiteres „aus der Hüfte“ beschleunigen lässt, muss es dazu erstmal auf eine ordentliche Anfangsgeschwindigkeit gepusht werden.

Ob eine Bewegung gut oder schlecht war, fühlt man sofort

Bei meinen ersten Versuchen rolle ich gerade noch so im Schneckentempo um das letzte Hütchen. Mein Coach Martin macht mich darauf aufmerksam, dass ich in der Transition das Board nicht richtig entlaste. Es sei zwar durchaus normal hier etwas an Speed zu verlieren, aber bei mir wurde der Effekt durch einen Fahrfehler verstärkt.

Dass das tatsächlich so ist, wird mir bei den nächsten Versuchen mit korrigierter Bewegung klar. Darauf werde ich gleich noch 10-mal um die Hütchen geschickt, um den Bewegungsablauf zu festigen. Genau dafür ist das Skate-Training einfach Gold wert.

Als nächstes soll trainiert werden Speed über die Frontside zu generieren, also das „Pumpen“. Auf dem YOW Surfskate reichte meine Technik bisher immer um locker den schnellsten Jogger abzuhängen. Daher ist es durchaus ernüchternd, dass ich trotz ordentlicher Anfangsgeschwindigkeit nach gut 100m komplett zum Stehen komme. Die Bewegungen sind einfach zu halbherzig und das Streetboardz gibt mir dafür (genau wie der Coach) ein unmissverständliches Feedback.

Die Bewegung kommt größtenteils aus den Beinen, der Körper streckt sich nicht vollständig und die Arme gehen nicht in den Himmel. Auch hier lässt sich nach mehreren Korrekturschritten beweisen, dass es an mir lag und nicht am Material. Zum Abschluss schaffe ich es dann das Brett eine ganze Sportplatzrunde über 400m mit vollem Körpereinsatz durchzupumpen. Danach ist für mich erschöpfungsbedingt die Einheit zu Ende – schließlich ist die Technik nicht der einzige begrenzende Faktor beim Sport.

Verarbeitung

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf die Verarbeitungsqualität. Die eingesetzten Komponenten machen auf den ersten Blick allesamt einen sehr stabilen Eindruck. Die Achsen scheinen fast etwas überdimensioniert. Streetboardz empfiehlt die Schrauben, mit denen diese ans Deck montiert sind regelmäßig nachzuziehen. Sollten die Federn mal schlappmachen, kann bei Streetboardz Ersatz geordert werden. Das gleiche gilt für die Kugellager. Insgesamt sehr Solide!

Fazit

Meine Meinung ist klar: Jeder Surfer sollte sich irgendwann mal ein Surfskate anschaffen. Ob es das Dragon sein sollte, hängt letztendlich von den persönlichen Vorlieben ab. Preis und Qualität sprechen in jedem Fall dafür. Wer ganz viel Geld und Platz hat, kauft sich das Streetboardz Carver Surfskate als Ergänzung für ambitionierte Trainingseinheiten. Nochmal die Fakten auf einen Blick:

  • Günstiger als viele andere Carver Surfskates
  • Manöver erfordern einen vergleichbaren „Körpereinsatz“ wie beim Surfen
  • Solide gebaut
  • Zum fahren benötigt man mehr Platz als bei anderen Modellen

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