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Stehende See-Welle in Langenfeld: So funktioniert sie

Seit März 2018 gibt es hierzulande eine neue Innovation für landlocked Surfer. In Langenfeld wurde eine stehende Welle auf einem See installiert. Stehende Wellen halten für Inlands- Wellen-Junkies schon länger her, um die Durststrecken zwischen zwei Surftripps zu überbrücken und an den Skills zu feilen. Seit den Anfängen des „stationären“ Surfens am  Münchener Eisbach sind zahlreiche weitere künstliche und natürliche Wellen entdeckt bzw. erbaut worden. In Langenfeld wird nun auch erstmalig auf einem See gesurft.  *Beitragsbild: surf-pool.com

Für die Fahrt zur See-Welle nach Langenfeld bei Düsseldorf benötige ich weniger als 1 Stunde, da lag es nahe den neuesten „Spot“ in Deutschland mal unter die Lupe zu nehmen. Bevor ich in Langenfeld das erste Mal überhaupt auf einer stehende Welle surfte, stellten ich mir zwei Fragen.

  1. Surfen auf einem See – Wie funktioniert das?
  2. Wie ist es darauf zu surfen und was bringt es?

Nach meiner ersten Testfahrt und Kontaktaufnahme mit UNIT Parktech, dem Hersteller der Welle, wurde mir klar, dass es eine Menge zu berichten gibt. Daher habe ich beschlossen gleich 2 Beiträge dazu zu schreiben, basierend auf genau diesen beiden Fragen Fragen. In diesem Beitrag geht es zunächst um die Funktionsweise der Welle und die Auswirkungen auf die Umwelt.

Als ich die ersten Videos aus Langenfeld gesehen habe, gingen mir verschiedene Dinge durch den Kopf. Wie bekommt man überhaupt eine Welle in einen See? Braucht das nicht unendlich viel Strom? Was macht das mit dem Ökosystem im See? Werden da vielleicht Fische in den Pumpen geschreddert? Können die Pumpen durch Äste und Treibgut beschädigt werden? Was kostet so eine stehende Welle im See? Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen. Hier gibt’s die Ergebnisse.

Wie funktioniert die stehende Welle von UNIT-Parktech in Langenfeld?

Das allgegenwärtige blubbern lässt bereits vermuten, dass beim Betrieb der Welle jede Menge Pumpen zum Einsatz kommen (nämlich 12). Etwas überraschender ist es da vielleicht schon, was diese Pumpen machen. Sie strömen nämlich nicht „auf“ die Welle, sondern pumpen lediglich das Wasser nach oben, etwa 1m über die Wasseroberfläche des Sees. Im Beitragsbild ist dies sehr schön zu erkennen. Die Welle wird dadurch erzeugt, dass das Wasser wieder herunterfließt, allein durch Gravitation, also genau wie bei einer Flusswelle.

Das Wasser strömt Hinunter auf eine Art Kicker. Hier kommt dann das  Phänomen des Wechselsprungs (auch hydraulischer Sprung gen m Tragen, welches laut UNIT Parktech das Basisprinzip ihrer Welle ist. Das Wasser strömt vom tiefsten Punkt aus wieder nach oben und kommt an… in etwa auf Höhe des Sees, bzw. nur einige Zentimeter darüber. Das heißt, man surft hier unterhalb des eigentlichen See-Levels.

Je größer die Welle sein soll, desto mehr Wasser wird in die Tanks der Welle gepumpt und so tiefer liegt sie unter dem Wasserstand des Sees.  Die Einstellung benötigt einiges an Fingerspitzengefühl und die Größe der Welle variiert innerhalb einer Session auch gerne mal 20-30cm, ohne dass etwas an der Einstellung verändert wird, manchmal (selten) „bricht“ die Welle auch auf der kompletten Breite und bildet kurzzeitig eine Weißwasserfront. Ein See ist halt kein Schwimmbad und scheinbar spielen sich dort doch einige Dinge ab, die das Verhalten der stehenden Welle beeinflussen.

Under the Sea: In Langenfeld wird unterhalb des See-Levels gesurft. (Bild von  surf-pool.com)

Wieviel Energie verbraucht die Welle im See?

Machen wir uns nichts vor – Surfer zu sein, insbesondere in Deutschland fernab vom Meer, belastet deinen CO2 Footprint mit Flügen und weiten Anfahrten zu den Spots. Bei einem Hin- und Rückflug nach Portugal ist man mit ca. 1000kg CO2 pro Passagier dabei – da macht es schon nachzudenken, wofür man sonst noch Treibhausgase ausstoßen will.  Für diejenigen, die sich über Ihren CO2 Footprint Gedanken machen, hier einige Infos, was es bedeutet auf einer stehenden See-Welle zu surfen.

Der Stromverbrauch beträgt nach Angabe von Unit Parktech 240-340kWh (h = pro Stunde), was in etwa dem Jahresverbrauch von 2 Waschmaschinen in einem Durchschnittshaushalt entspricht. Ein Tesla Model S könnte damit gut 1500km bei eingeschalteter Klimaanlage fahren. Bei  dem von Statista ausgewiesenen CO2 Ausstoß mit dem deutschen Energiemix aus 2017 kommen so ca. 150kg CO2 je Stunde zusammen, bei 12 Surfern also gut 12kg pro Kopf. Zum Vergleich: Bei der Produktion von 1kg Rindfleisch werden 13,3kg CO2 freigesetzt, bei 100km Fahrt mit einer Mittelklasse-Limousine 18kg (da ist die Produktion des Fahrzeugs noch nicht eingerechnet).

Nun liegt es mir fern zu propagieren, dass das Pumpen tausender Kubikmeter von Wasser zu reinen Spaßzwecken als Umweltfreundlich zu propagieren. Vergleicht man den Spaß jedoch mit anderen Klimakillern unseres (sogenannten) modernen Lebensstils (z.B. Fleisch und Flugreisen), ist  die gelegentliche Nutzung einer künstlichen stehenden Welle jedoch eher eine der kleineren Sünden (Der durchschnittliche CO2 Ausstoß pro Kopf in Deutschland betrug 2015 8930 kg ). Der „Fahrpeis“ von 34 Euro für eine Stunde dürfte die Meisten ohnehin davon abhalten den Spaß mehrmals pro Woche zu betreiben.

Was sind die sonstigen ökologischen Auswirkungen der stehenden Welle im See?

Um so eine Welle zu betreiben, muss natürlich einiges an Wasser durchgesetzt werden. Da stellt sich die Frage, was wird denn da so alles mit angesaugt? Vor den Pumpen befindet sich ein Schutz, der die Fauna vor den Pumpenrädern und die Pumpenräder vor Treibgut schützen soll. Hersteller Unit-Parktech gibt an, dass die stehende Welle als „fischfreundlich“ zertifiziert ist. Wer dieses Zertifikat erteilt und wie aussagekräftig es ist, ist mir nicht bekannt –  Mitarbeiter von Surf Langenfeld, mit denen ich über das Thema geplaudert habe, berichteten jedoch, dass sie noch nie einen toten Fisch oder Frosch beim Reinigen entdeckt hätten.

Was kostet eine stehende Welle im See?

Die Welle wird in verschiedenen Breiten von 8-16m angeboten. Die Welle in Langenfeld – die einzige bisher in Betrieb gegangene – hat eine Breite von 8m. Die Kosten für diese kleinste Variante liegen laut UNIT Parktech bei gut 900.000 Euro. Was sonst noch an Investitionen getätigt werden muss, hängt sicher stark vom Standort und bereits vorhandener Infrastruktur ab. In Langenfeld ist die Welle eine „Beistellung“ zur Wasserskianlage Langenfeld, welche auf 3 benachbarten Seen mehrere Wasserskianlagen sowie eine Gastro und ein Strandbad betreibt. Der See auf dem die Welle steht, befindet sich im eingezäunten Areal der Wasserskianlagen.

In Anbetracht der Kosten scheint die Anschaffung einer Unit Parktech Welle vor allem dort Sinn zu machen, wo – wie in Langenfeld – durch bestehende Strukturen Synergieeffekte erzielt werden können.

Die Anlage soll mehr oder weniger wartungsfrei sein, so dass in dieser Hinsicht – nach jetzigem Kenntnisstand – keine größeren Kosten entstehen. Zum Reinigen können die Tanks geleert werden, so dass das ganze Gerät aufschwimmt und die Aussenwände mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden können. Darüber wie und wie oft unter der Wasserkante gereinigt werden muss, konnte ich nichts herausfinden.

Mein Fazit

Als Ingenieur habe ich durchaus meinen Spaß daran dieses treibende, blubbernde Etwas zu beobachten und finde es eine sehr Interessante Technik. Als Investition macht es meiner Meinung nach eher Sinn für Einrichtungen mit vorhandener See-Infrastruktur. Die Umweltbilanz könnte schlimmer sein – eine gelegentliche Nutzung kann ich mit meinem grünen Gewissen vereinbaren, weil ich ansonsten nur sehr sparsam CO2 ausstoße. Und wie es ist darauf zu surfen, darüber gibt es bald einen eigenen Beitrag.

Wer noch mehr Infos haben möchte, sollte über die Kontaktmöglichkeiten auf surf-pool.com Verbindung zu einem der sehr hilfsbereiten Mitarbeiter aufnehmen.

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