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Die richtige Blickrichtung: Surf-Coach Martin Walz über Scanpath-Training beim Surfen

Der deutsche Wissenschaftler und Surf-Coach Martin Walz hat das sogenannte Scanpaths Training im Surf-Sport untersucht und bringt es praktisch zur Anwendung. Damit erregte er bereits die Aufmerksamkeit einiger internationaler Top-Surfer. Was sich dahinter verbirgt, ob sich die Methode auch für uns Normalos eignet und wie du mit ihm trainieren kannst, erfährst du hier. (Beitragsbild: Pro Performance Surf Coaching)

Über Surf-Coach Martin Walz & Pro Performance Surf Coaching

Martin Walz bezeichnet sich selbst als High Performance Surf Coach. Er hat als Wissenschaftler Jahre lang das Quite-Eye Phänomen im Surfen erforscht und daraus ein Anwendungsorientiertes Scanpath-Training für Surfer entwickelt. An seinen Studien haben einige der besten Surfer der Welt teilgenommen und zu seinen Surf Coaching Klienten gehören nationale und Europameister. Martin engagiert sich zudem ehrenamtlich für das gemeinnützige Projekt „Wir machen Welle“  von Big Wave Surfer Sebastian Steudtner.

Für sein Pro Performance Surf Coaching hat er im Surf-Camp Janga-Wonderland in Figueira da Foz (Portugal) eine Art Leistungszentrum eingerichtet. Wenn du Interesse hast mit ihm zu trainieren wie ein Profi, solltest du dich frühzeitig in Verbindung setzen, um dir einen Platz in seinem Terminkalender zu sichern. Im folgenden Interview erfährst du mehr über seine Methodik.

Interview mit Martin Walz zum Scanpath-Training für Surfer & Surf Coaching

Landratten.org: Hi Martin, in der Surf-Szene kennt man dich aufgrund deiner wissenschaftlichen Studien zum Thema Blickbewegung beim Surfen. Pro-Surfer aus aller Welt arbeiten mit dir zusammen, um von deinem Surf-Coaching zu profitieren. Erklär einem Nicht-Wissenschaftler mal, welche Erkenntnisse deine Studien mit Eye-Tracking-Kameras hervorgebracht haben.


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Martin Walz: Beim Surfen steuert man mehr oder weniger automatisch dorthin, wo sich der Blick hin richtet. Ich denke, das ist kein Geheimnis und auch den meisten Surfern auf niedrigeren Könnensstufen bekannt. Ein verbreiteter Spruch im Surfsport ist „You look where you want to go“ – das scheinen die Meisten intuitiv zu verstehen. Und diese unterbewussten Vorgänge habe ich mir mit Blickbewegungsanalysen näher angesehen.

Genauer gesagt habe ich mich wissenschaftlich mit dem „quite-eye“ Phänomen im Surfen beschäftigt. Dadurch konnten wir Rückschlüsse auf Erfahrung und Talent ziehen. Außerdem fanden wir heraus was passiert, wenn der Athlet „chocked“ d.h. unter Druckbedingungen, sein Können und seine Fähigkeiten nicht mehr voll Abrufen kann.*

Flow und gute Technik im Surfen, lassen sich als die richtige Bewegung im richtigen Teil der Welle definieren. Und da sich Wellen permanent in Bewegung befinden, bedeutet das, dass im Coaching nicht nur die Bewegungsebene wichtig ist, sondern auch die Wahrnehmungsebene. Und diese zwei Ebenen müssen wie Zahnräder ineinander laufen, sodass gutes und schönes Surfen entstehen kann.

Als wir dazu die Grundbeziehungen gefunden hatten, war es für mich wichtig diese Erkenntnisse in die praktische Anwendung zu bringen. Profis anderer Disziplinen trainierten zu diesem Zeitpunkt bereits nach ähnlichen Methoden, z.B. Piloten, Astronauten, Neurochirurgen, Elite-Einheiten, etc. Ich habe diese zum klassischen Surfcoaching im Profisport dann lediglich ergänzt. Und die Resultate, nach sieben Jahren Forschung und Anwendung, können sich langsam sehen lassen.

Surf Coach Martin Walz

Martin mit Pro Tour Surfer Bede Durbidge bei einer wissenschaftlichen Studie. Die Eye Tracking Brille ist im täglichen Training nicht mehr erforderlich.

Landratten.org: Ist das Training der Blickrichtung, das sogenannte „Scanpath-Training“ ein Schlüsselfaktor beim Surf-Training?

Martin Walz: Scanpath-Training ist eine Ergänzung zum klassischen Training, die längerfristig stabilere intuitive Bewegungskopplungen im Surfen hervorbringt. Grundvoraussetzung ist lediglich, dass man sich darauf einlassen muss. Für mich ist das reine Naturwissenschaft ist, aber einige assoziieren da irgendwie eine Art esoterischen Hauch hinein. Das ist natürlich albern, aber kommt tatsächlich vor.**

Landratten.org: Wie integrierst du das Scanpath-Training in deine Surf-Coachings? Du stattest ja sicher nicht jeden Klienten mit einer Eye-Tracking Brille aus?


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Martin Walz: Haha, nein, das tue ich nicht. Nach 12 Jahren Coaching und 7 Jahre intensiver Forschung und Anwendung ist das als Tool obsolet und für einen Klienten außerhalb des High-End Sportes ökonomisch nicht tragbar. Da ich hunderte Scanpaths von vielen Surfern weltweit, Frame per Second analysiert habe, reicht mir mittlerweile eine Split Screen Analyse mit einer GoPro Ansicht auf dem Kopf und eine frontal Ansicht einer Full HD Kamera mit 60 frames per Second.

Landratten.org: Sind deine Erkenntnisse zum Scan-Path-Training vor allem für Profis von Bedeutung oder können auch Normalo-Surfer davon profitieren?

Martin Walz: Beide Zielgruppen können enorm davon profitieren, wenn sie physisch Leistungsfähig sind. Sind Normalo-Surfer nicht fit und routiniert im Meer, macht das Scanpath-Training keinen Sinn. Ich muss dann erst mal eine Woche klassisches Guiding machen, um dann mit dem eigentlichen Training beginnen zu können. Das mache ich gerne, aber Klienten mit zu hohen und falschen Erwartungshaltungen sind dann oft schnell frustriert und suchen das Problem in der Außenwelt. Wie Wellen, Surfboard-Auswahl, Crowds, Spotwahl, Coach etc.

Landratten.org: Was ist für dich DER „Coaching-Key“? Was kann ich als Otto-Normal-Surfer am sinnvollsten trainieren?

Pro Performance Surf Coaching

Erinnerung: Martin schreibt einem Surfer Anweisungen auf ein Duck-Tape auf dem Surf-Board.

Martin Walz: Schwimmen, Mini-Ramp Skaten, Laufen, Beachvolleyball, Kampfsport sowie Apnoe Tauchen. Irgendwas davon 4 mal die Woche für 60 min. Wer das 6 Wochen routiniert durchhalten kann, hat schonmal einen guten Grundstein für schnelles Lernen im Surfen gelegt.

Meine Erfahrung zeigt, dass es 90 Prozent der „Average Joes“ im Surfsport, nicht schaffen so etwas durchzuziehen.

Landratten.org: Vielen Dank Martin!

 

*Anm.: Nämlich entweder ein Blick-Fokus auf falsche Dinge in der Außenwelt oder „Self-Monitoring-Choking“ – der Surfer denkt zu viel aktiv darüber nach was zu tun ist. Die Aufmerksamkeit liegt also jeweils auf nicht relevanten Bereichen. Dies stellt eine Art Rückfall in Verhaltensweisen dar, die nicht der eigentlichen Könnensstufe entspricht. Es gibt jedoch Methoden, mit denen ein Surf Coach dabei intervenieren kann.

** Anm.: Martin hat im Nachgang des Interviews erklärt, dass in einigen eher „maskulin“ geprägten Umfeldern Scan-Path Training manchmal mit Meditation, Positiv Thinking Selbstfindung o.Ä. in einen Topf geworfen wird und einige Leute sehen in diesen Dingen offenbar etwas esoterisches.

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