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Surf-Wettkämpfe

Surfen bei Olympia Tokio 2020 – Alles was du wissen musst

Bei den olympischen Spielen in Tokio wird erstmal um olympische Medaillen im Surfen (d.h. Wellenreiten) gekämpft. Erfahre in diesem Beitrag Seite alles, was du über deine Lieblingssportart bei Olympia wissen musst.

Seit wann ist Surfen (Wellenreiten) olympisch?

Im August 2016 fand eine Abstimmung statt. Alle 90 IOC Mitglieder stimmten dabei einstimmig für die Aufnahme des Surfens bei den olympischen Sommerspielen in Tokio. Damit ist Surfen 2020 erstmals olympisch. Ob es dauerhaft olympisch bleibt ist offen. Für die Spiele 2024 in Paris sieht es jedenfalls gut aus. 2019 wurde es auf der Vollversammlung ins vorläufige Programm aufgenommen. Die finale Entscheidung für Surfen bei Paris 2024 erfolgt aber erst im Dezember 2020. Als mögliche Austragungsorte 2024 wurden laut der französischen Zeitung Le Parisienne bereits die Orte Biarritz, Lacanau und La Torche diskutiert.

Gemeint ist damit natürlich das Wellenreiten. Im Windsurfen wird schon länger um Medaillen gekämpft.

Wie qualifiziert man sich für den Surfwettkampf bei Olympia 2020?

Es gibt verschiedene Wege sich für den olympischen Surf Wettkampf in Tokio zu qualifizieren. Alle gemein haben sie, dass die Qualifikation eine hohe Hürde darstellt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für Außenseiter liegt darin, dass sich pro Nation und Geschlecht maximal 2 Surfer qualifizieren können. Das hat zur Folge, dass einige der besten Surfer der Welt aus den großen Surf-Nationen USA, Australien und Brasilien zuschauen müssen.

Wenn man tief ins Kleingedruckte geht, wird der von der ISA vorgegebene Qualifikationsprozess relativ komplex. In den Details sind jedoch diverse sehr unwahrscheinliche Szenarien abgedeckt. Hier wird daher beschrieben, wie sich das Starterfeld mit größter Wahrscheinlichkeit qualifizieren wird. Wer noch mehr Details und Szenarien wissen möchte, sei auf die ISA Regularien verwiesen.

Bei Olympia stehen für die Surfer pro Geschlecht 20 Startplätze zur Verfügung. Je Geschlecht 1 Platz ist für das Gastland reserviert. 19 Plätze sollten über insgesamt 4 Qualifikations-Events vergeben. Da sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern aber bereits zwei Japaner die reguläre Quali geschafft haben, werden jedoch sogar 20 Plätze über Events vergeben.

  1. 2019 World Surf League Championship Tour (10/8)
  2. 2019 ISA World Surfing Games (1/1 Europa, 1/1 Asien, 1/1 Ozeanien, 1/1 Afrika)
  3. 2019 Pan American Games (1/1 Amerika)
  4. 2020 ISA World Surfing Games (ursprünglich 4/6 – jetzt 5/7 da Japans Host Plätze nun hier eingehen)

Im Hinterkopf zu behalten ist immer die Beschränkung von 2 Teilnehmern pro Nation und Geschlecht. Dadurch wird das ganze etwas komplizierter.

  • Die Priorität der Qualifikationsevents ist Championship Tour 2019 > World Surfing Games 2020 > World Surfing Games 2019.
  • Sollten sich bei den Surfing Games 2020 und der Championship Tour 2019 mehr als 2 Surfer einer Nation in den Qualifikationsrängen platzieren, so gehen die “überschüssigen” Plätze an den nächstbesten Surfer im Ranking des jeweiligen Events.

Außerdem gilt: Ist ein Surfer über einen höher rankenden Event qualifiziert und erreicht zusätzlich einen Qualifikationsrang in einem hierarchisch niedrigeren, so qualifiziert sich der nächstbeste Surfer des niedrigeren Events ebenfalls.

Am besten verständlich wird dies wahrscheinlich Anhand von Beispielen:

Beispiel 1:

Der portugiesische Surfer Frederico Morais hat sich bei den World Surfing Games 2019 als bester Europäer für Olympia qualifiziert. Es besteht aber noch eine (eher rein theoretische) Möglichkeit, dass er diesen Platz verliert, wenn sich bei den World Surfing Games zwei andere Portugiesen in den Top 4 platzieren könnten. Da Morais der einzige Portugiese in der WSL Championship Tour 2019 ist, kann ihm hierüber niemand seinen Platz streitig machen.

Beispiel 2:

Die beiden Brasilianer Gabriel Medina und Felipe Toledo belegen Stand Oktober 2019 die ersten beiden Plätze der WSL Championship Tour. Sollte es ihrem Landsmann Italo Ferreira nicht gelingen noch an einem von beiden vorbei zu ziehen, kann er sich nicht qualifizieren. Und das obwohl er bei den ISA World Surfing Games 2019 Sieger war.

Beispiel 3:

Der Südafrikaner Jordy Smith war der erste Surfer, der sich sicher über die WSL Championship Tour für Olympia qualifiziert hat. Durch sein Ergebnis beim Quiksilver Pro France, dem 9. von 11 Tour Stopps, hat er einen Platz in den Top 10 schon sicher. Da er der einzige Südafrikaner in der CT ist, kann er auch durch die Beschränkung von 2 Surfern je NOK seinen Platz nicht mehr verlieren.

Beispiel 4:

Nochmal Frederico Morais. Sollte er sich bei den World Surfing Games 2020 einen der 4 Qualifikationsplätze sichern, geht sein Platz aus den Surfing Games 2019 an den nächstbesten dieses Events. Das wäre der deutsche Leon Glatzer.

Welche Surfer sind bereits für Olympia 2020 qualifiziert?

Folgend eine Auflistung der für Olympia qualifizierten Teilnehmer Stand Oktober 2019. Aufgrund der oben erklärten Einschränkung von 2 Athleten pro Nation und Geschlecht, kann es theoretisch noch zu Änderungen kommen.

Olympia Teilnehmer Surfen Männer (vorläufig, Stand 21.10.2019):

Lucca Mesina (Peru) – qualifiziert über Pan American Games 2019

Jordy Smith (Südafrika) – qualifiziert über WSL

Kanoa Igarashi (Japan) – qualifiziert über WSL

Jeremy Flores (Frankreich) – qualifiziert über WSL

Ramzi Boukhiam (Marokko) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Shun Murakami (Japan) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Frederico Morais (Portugal) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Billy Stairmand (Neuseeland) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Kolohe Andino (USA) – qualifiziert über WSL

Olympia Teilnehmer Surfen Frauen (vorläufig, Stand 16.10.2019):

Daniella Rosas (Peru) – qualifiziert über Pan American Games 2019

Stephanie Gilmore (Australien) – qualifiziert über WSL

Sally Fitzgibbons (Australien) – qualifiziert über WSL

Johanne Defay (Frankreiche) – qualifiziert über WSL

Bianca Buitendag (Südafrika) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Shino Matsuda (Japan) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Anat Lelior (Israel) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Ella Williams (Neuseeland) – qualifiziert über ISA WSG 2019

Nehmen deutsche Surfer an Olympia 2020 in Tokio teil?

Der deutsche Wellenreitverband hat ein Surf-Team zusammengestellt, mit dem Anspruchsvollen Ziel einen oder mehrere Surfer für Olympia zu qualifizieren. Da keine deutschen Surfer an der WSL CT teilnehmen, muss dies über die World Surfing Games 2019 oder 2020 erfolgen.

Der zurzeit wohl beste männliche deutsche Surfer ist Leon Glatzer. Bei den ISA WSG 2019 war er zweitbester Europäer, hinter dem Portugiesen Frederico Morais. Sollte dieser bei den ISA WSG 2020 unter die Top 5 kommen, würde Leon automatisch nachrücken. Außerdem hat er natürlich selbst die Möglichkeit sich mit einer Top 5 Platzierung zu qualifizieren.

Das Frauenteam des DWV ist noch sehr jung. Unter anderem die ISA Junioren Weltmeisterin 2018 Rachel Presti, welche auch 2019 noch bei den Junioren starten darf. Für Olympia 2020 wird es sicher schwer einen Startplatz zu ergattern, aber perspektivisch ist die Teilnahme deutscher Surferinnen bei Olympia nicht unrealistisch.

Das deutsche DWV Olympia Team

Wer ist deutscher Surf-Bundestrainer?

Bundestrainer des deutschen Wellenreit Verbandes sind der Franzose Didier Piter

und der Südafrikaner LLewellyn Whittaker. Ergänzt werden sie durch den Surf Coach Martin Walz als Leistungsdiagnostiker und die Sportpsychologin Kareen Klippel.

Welche deutschen Surfer sind im DWV Surf-Olympia Team?

Das DWV-Shortboard-Nationalteam besteht aus mehreren Athleten als hier aufgeführt sind. Bei den ISA World Surfing Games ging der DWV jedoch mit folgender Besetzung an den Start:

Männer:
  • Leon Glatzer
  • Dylan Groen
  • Lenni Jensen
Frauen
  • Rachel Presti
  • Frankie Harrer
  • Noah Klapp

Kritik an der Zusammensetzung des DWV Olympia Teams

Aufgrund des eher geringen Stellenwertes des Wellenreitens in Deutschland sind Themen wie die Zusammensetzung des DWV Teams nicht gegenstand größerer öffentlicher Diskussionen. Gerüchten zufolge kam aus dem Umfeld einiger Athleten, die nicht im Nationalteam berücksichtigt wurden Kritik bezüglich Wohnort und Herkunft der Kaderathleten. Die oben aufgeführten SurferInnen leben allesamt nicht in Deutschland, oder sind hier aufgewachsen. Dementsprechend zahlen auch weder sie noch ihre Eltern hier steuern.

Alle haben jedoch deutsche Wurzeln und Pässe und es hat keine Einbürgerungen gegeben, wie es bei anderen Verbänden durchaus üblich ist. In anbetracht der Tatsache, dass es in Deutschland keinerlei adäquate Trainingsbedingungen für Spitzensurfer gibt, ist die Auswahl der besten Surfer durch den DWV jedoch nachvollziehbar. Wie weiter oben erwähnt ist das olympische Motto schließlich “Höher, Schneller, Stärker”.

Können sich nur Mitglieder des DWV Kaders für Olympia qualifizieren?

Ja. Der DWV meldet ein Team für die ISA World Surfing Games. Andere deutsche Athleten können nicht teilnehmen. In der Championship Tour gibt es keine deutschen Surfer, die sich hierüber qualifizieren könnten. Zudem ist die Teilnahme an den World Surfing Games auch für die CT Athleten Teilnahmevoraussetzung bei Olympia.

Wo findet der olympische Surfwettkampf 2020 statt?

Die Surfwettkämpfe werden am Shidashita Beach in Chiba (ca. 65km außerhalb von Tokio) ausgetragen. Dies wurde 2018 bekanntgegeben. Zuvor hat es immer wieder Spekulationen darüber geben, ob für Olympia ein Wave-Pool, also eine künstliche Welle, gebaut würde.

Als Surfer aus dem deutschsprachigen Raum ist uns schmerzlich bewusst, dass der nächste gute Surfspot nicht unbedingt gleich ums Eck liegt. Ist das dann nicht auch ein Problem bei Olympia? Nicht unbedingt. Schließlich nehmen Segler bereits seit 1900 an olympischen Spielen teil und sind genau wie Wellenreiter von äußeren Bedingungen abhängig. Insbesondere bei den Olympischen Spielen in Tokio gibt es in der näheren Umgebung zahlreiche Surfspots.

Warum sollte für Olympia in Tokio ein Wavepool gebaut werden?

Und trotzdem – lange hat es Gerüchte und Diskussionen gegeben, ob für die olympischen Spiele in Tokio eigens ein Wavepool gebaut werden soll, in dem die Wettkämpfe stattfinden. Das Problem bei Surf-Wettkämpfen im Meer ist, dass diese normalerweise über längere Zeiträume anberaumt werden. Diese Zeiträume sind sogenannte Warte-Perioden, in denen so lange überhaupt nichts stattfindet, bis attraktive Wellenbedingungen herrschen.

Begnügt man sich mit weniger guten Bedingungen, so lassen sich Surfwettkämpfe im Meer aber deutlich flexibler durchführen. Hier herrschte jedoch die Angst, dass ein olympischer Surfwettkampf unter mäßigen Bedingungen vom allgemeinen Publikum als unattraktiv wahrgenommen würde. Das wiederum könnte Auswirkungen auf die Durchführung olympischer Surfwettkämpfe bei zukünftigen Olympiaden haben.

Die Verwendung von Wave Pools ist sowohl in der Surf Szene als auch bei lokalen Veranstaltern umstritten. Schließlich bieten die olympischen Surf Contests gute Möglichkeiten Tourismus-Regionen zu präsentieren. So hat auch der Präsident von Olympia 2024 in Paris, Tony Estanguet mit Verweis auf die zahlreichen französischen Surf Spots die Nutzung eines Wave Pools ausgeschlossen.

Seit 2018 ist klar, dass der olympische Surfwettkampf nicht in einem Wave-Pool stattfindet sondern am Shidashita Beach.

Wie läuft der Surf-Wettkampf bei Olympia 2020 ab?

Wie bei den meisten großen Surfwettkämpfen wird es auch bei Olympia eine Warteperiode geben, innerhalb welcher die Surfbedingungen beobachtet werden. Diese beträgt 16 Tage. Sind zufriedenstellende Bedingungen absehbar, wird der Wettkampf gestartet und es wird 2 Wettkampftage geben.

Die Heats dauern 20-30 Minuten und jeweils die 2 bestbewertesten Wellen jedes Surfers gehen in die Wertung ein. Der Aufbau und Ablauf des Surfens bei Olympia ist wie folgt (Männer und Frauen identisch):

Runde 1: 5 Heats mit je 4 Surfern:

  • Die besten 2 Surfer kommen direkt in Runde 3
  • Die anderen haben nochmals in Runde 2 eine Chance

Runde 2: 2 Heats mit je 5 Surfern (“Verlierer” aus Runde 1)

  • Die besten 3 Surfer kommen in Runde 3
  • Je Heat scheiden 2 Surfer endgültig aus

Runde 3: 8 Heats mit je 2 Surfern (Head to Head)

  • 1 Surfer kommt weiter ins Viertelfinale, einer scheidet aus

Viertelfinale/ Quarterfinals: Je 2 Surfer in den 4 Heats

  • 1 Surfer kommt weiter ins Halbfinale, einer scheidet aus

Halbfinale/ Semifinals: Je 2 Surfer in den 2 Heats

  • 1 Surfer kommt ins Finale um Gold, ! Surfer ins kleine Finale um Bronze

Finale: 2 Surfer kämpfen um Gold

Kleines Finale: 2 Surfer kämpfen um Bronze

Im Rahmen von Ready Steady Tokyo werden in zahlreichen olympischen Disziplinen Test-Events ausgetragen, um Format, Austragungsort und Sportstätten vorab einem Test zu unterziehen. Vom 18. bis 21. Juli 2019 wurde der Testevent für das Wellenreiten durchgeführt. Wenn du dir die Ergebnisse des Events ansiehst, bekommst du eine anschauliche Vorstellung über den Ablauf des olympischen Surf-Events.

Kritik am olympischen Surfwettkampf in Japan

Nachdem die Durchführung in einem Wave Pool vom Tisch ist, sind die emotionalen Diskussionen rund um den Surf Contest in Japan etwas abgeflacht. Nach wie vor sind aus diesem Grund aber die eher inkonsistenten Bedingungen an der japanischen Küste ein Thema.

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass der Qualifikationsmodus und die eher geringe Teilnehmerzahl Außenseitern kaum eine Chance lässt sich zu qualifizieren. So ist gewährleistet, dass wirklich die Besten Surfer der Welt um Medaillen kämpfen. Dadurch werden Wettkämpfe auf höchstem Niveau ermöglicht. Dies ist auch konform mit dem offiziellen olympischen Motto “höher, schneller, stärker”. Daher kann man dem olympischen Komitee somit zumindest keine Inkonsistenz vorwerfen. Manch einer fragt sich jedoch, ob das wirklich dem “olympischen Gedanken” entspricht. Das ist aber wohl eher persönlicher Geschmack.

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