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Ausrüstung

Test: Was kann ein Decathlon Surfboard für 79,99?

Wieviel Geld würdest du für ein neues Surfboard ausgeben? Wer kann das schon genau sagen – wenn ein Board unsere Liebe geweckt hat, sitzt der Geldbeutel manchmal ja doch lockerer als geplant. Was man nach meiner Recherche auf dem europäischen Festland mindestens ausgeben muss, lässt sich aber in knallharten Zahlen ausdrücken: 79,99 Euro. Kein Witz! Das Gerät, das man dafür bekommt, habe ich mal genauer unter die Lupe bekommen und in einem spaßigen Sommer-Swell getestet.

Decathlon Surfboard im Test

Vorab informiere ich mich natürlich auf der Decathlon Website*, was mich erwartet. Ein Polystyrol Board mit zwei Holz-Stringern und Polyethylen-Überzug. Umgangssprachlich würde man es einfach Hartschaum-Board nennen und im allgemeinen Surfjargon ein „Foamie“. Von der Form her ist es ein Mini-Malibu mit den Maßen 7′ x 22″3/8 x 3″5/16 und einem Volumen von 61l. Die erste Überraschung ist für mich das Gewicht: Trotz der stattlichen Maße, wiegt das gute Stück gerade mal 3kg und unterschreitet so locker Shortboards, die nur die Hälfte an Volumen haben. Und das sollen wirklich zwei Holz-Stringer drin sein?

Seitens Decathlon gibt es auch die Gebrauchseinschränkung „Nicht für starke Wellen und Surfer über 40kg“. Mangelnder Auftrieb kann bei 61l Volumen wohl nicht der Grund dafür sein, eher schon Bedenken bezüglich der Stabilität. Aber bei dem Preis wäre ein Totalverlust ja durchaus zu verschmerzen, daher lasse ich mich von dieser Anmerkung nicht abschrecken und wage mich ins Line-Up! Der Forecast verspricht einen Swell von 4,5 Fuß bei 10 Sekunden direkt auf den Spot, dabei kaum Wind und strahlender Sonnenschein. Hört sich nach ein paar spaßigen Wellen an, in die man sich gefahrlos mit 3kg Hartschaum trauen kann.

Für unter 80 Euro alles dabei

Also auf zu Decathlon! Da ich quasi schon auf dem Weg zum Strand bin, frage ich die Verkäuferin mit meinem VHS-Spanisch, ob alles zum Zusammenbau dabei wäre, oder ob irgendwelches Werkzeug benötigt wird. Die Dame versichert mir aber, dass alles, was ich brauche mit in der Folie eingeschweißt sei. Es kann also losgehen. Rein ins Auto und ab zum Strand!



Dort angekommen befreie ich mein neues Board erstmal aus der erwähnten Folie und schaue mir genauer an, was ich da überhaupt erworben habe. Im Lieferumfang sind drei weiche Plastikfinnen, wie man Sie auch von anderen Anfängerbrettern kennt. Diese lassen sich mit dicken Plastikschrauben am Board befestigen, wozu eine Art Schraubenzieher (natürlich ebenfalls aus Plastik) ebenfalls beiliegt. Dann kommt die Leash zum Vorschein, wenn man die mitgelieferte Kordel mit Klettverschluss denn so nennen will.

Decathlon Surfboard Finnen

Die Finnen werden mitttels mitgelieferten „Schlüssel“ verschraubt.

Darüber, dass die Leash ein sicherheitskritischer Ausrüstungsgegenstand ist, habe ich mich an anderer Stelle schon mal ausgelassen. Daher geht mir auch kurz der Gedanke durch den Kopf, ob ich nicht doch besser eine mitgebrachte Rip-Curl Leash verwende. Aber der Test soll ja authentisch sein, daher muss das Original bleiben. Wie sich später herausstellen wird, nicht die beste Entscheidung. Jetzt nur noch ordentlich Wachs auf die sonst ziemlich rutschige Polyethylen-Oberfläche und es kann losgehen.

Die erste Welle mit dem 80 Euro Decathlon-Brett

Der Blick aufs Meer zeigt: Es sieht tatsächlich gut aus! Fast ohne Pause laufen schulterhohe Wellen Richtung Strand. Zum Glück gibt es einen Channel, so dass ich mit dem blauen Renner innerhalb kürzester Zeit im Line-Up sitze. Gut eine handvoll anderer Surfer ist bereits da und man schaut mich erstmal etwas mitleidig an- so interpretiere ich die Blicke zumindest.

Doch dann sehe ich das erste Set am Horizont. Zwei Teenager mit Shortboards versuchen vor mir zum Peak zu paddeln, aber gegen mein 3kg/ 61 Liter-Geschoss haben sie keine Chance. Mit 2 Zügen bin ich auf der Welle. Durch das kleine Wettpaddeln musste ich sie sehr tief starten und nehme einen recht steilen Drop noch hinter dem eigentlichen Peak. Intuitiv mache ich eigentlich alles wie mit einem Shortboard und setze zum Bottom-Turn an. Ob das so gut geht?

Beim Bottom-Turn kommen kurz Zweifel auf. Das Board geht zunächst problemlos auf die Polyethylen-Rail, doch dann kommt ein seltsamer Moment. Man fühlt, dass sich etwas verbiegt. Ob es die weichen Kunststoff-Finnen oder das leichtgewichtige Board sind oder sogar beides, kann ich nicht sagen, das Gefühl ist jedenfalls sehr merkwürdig. Da man beim Surfen aber selten viel Zeit zum Nachdenken hat, geht es weiter. Und zwar mit der Lippe der Welle in die andere Richtung. Beim Richtungswechsel scheint sich die Spannung zu lösen und der blaue Renner snappt gefällig wieder in Richtung Wellental. Das geringe Gewicht ist hier sicher auch ein hilfreicher Faktor. Mit neu aufgenommener Geschwindigkeit und dem ordentlichen Volumen komme ich problemlos an einer auftauchenden Section vorbei und kann noch ein paar Turns hinterherschieben.

Als ich wieder rauspaddele, lache ich mich kaputt und freue mich göttlich darüber, dass das so gut geklappt hat. Das Biegegefühl ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie bin ich überrascht, dass sich das Teil so problemlos manövrieren lässt. Nach zwei Test-Sessions und etwas Gewöhnung habe ich richtig Spaß daran gefunden.

Die Leash sofort in die Tonne!

Ausgenommen davon ist jedoch die mitgelieferte Leash. Falls man keinen Hund hat, der angeleint werden muss, sollte man die schnellstmöglich in den Müll befördern, ansonsten kann es gefährlich werden! Bei meiner ersten Testsession hat sich das Band beim Paddeln mehrmals ohne das irgendetwas ersichtlich dazu beigetragen hat, um meine Füße gewickelt. Einmal sogar um beide, so dass sie quasi „zusammengefesselt“ waren. Der Grund dafür ist, dass es keine Swivels gibt und der Ankle Strap einfach nur festgeknotet ist (Wem diese Begriffe nichts sagen der schaue hier)! Bei der zweiten Session habe ich daher eine „echte“ Leash angebracht.

Decathlon Surfboard Leash

Mit etwas Phantasie lässt sich auch eine echte Leash anbringen – eine ratsame Maßnahme.

Was den Rest betrifft, so war ich eingermaßen überrascht, dass das Teil durchaus Spaßpotential bietet. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Anfänger, die nicht zu schwer sind, gut damit klarkommen würden. Was das Handling angeht, dürfte das Board den Anforderungen der meisten Einsteiger für einige Zeit vollkommen genügen.

Kürzere Lebensdauer = mehr Müll

Ein anderer Aspekt, der dafür spricht doch etwas mehr auszugeben ist der Umweltaspekt. Über die Haltbarkeit kann ich zwar nach 2 Testtagen nichts Genaues sagen, sie dürfte aber in jedem Fall deutlich unter der eines Composite-Boards liegen und die Reparaturmöglichkeiten sind wohl eher begrenzt und so drohen relativ schnell 61 Liter schwer abbaubarer Schaumstoffmüll.

Fazit: Für wenig Geld bekommt man ein Gerät mit hohem Spaßfaktor, allerdings wohl auf Kosten einer schlechten Umweltbilanz.

1 Comment Test: Was kann ein Decathlon Surfboard für 79,99?

  1. Anna

    Ich habe das Board nun selbst mit gewechselter Leash im Test in portugiesischem Gewässer und bin recht zufrieden….für einen Start nach längerer Pause, ist das Board absolut ausreichend und motiviert hoffensichtlich zu mehr.

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