landratten.org

Ausrüstung / Surfreviere

Surfen bei Minusgraden: Kaltwasser Surferin Maria Petersson im Interview

Foto: Pontus Palsson Der Sommer steht vor der Tür und langsam wird es wärmer. Die besten Wellen gibt es bei uns in Europa aber im Winter. Dass man vor kaltem Wasser keine Angst haben muss zeigt uns die Schwedin Maria Petersson, die uns auf Instagram gerade mit atemberaubend schönen Surf-Fotos aus der Arktis fasziniert. Warum ihr Revier hoch im Norden liegt und wie man beim Kaltwasser Surfen nicht einfriert, berichtet sie im Interview auf landratten.org. English Version

Falls ihr es noch nicht gemacht habt, schaut unbedingt mal bei Maria auf Instagram und Facebook vorbei, da könnt ihr einen Blick auf die Fotos ihrer arktischen Abenteuer werfen. Da bekommt man gleich eine ganz andere Motivation zum Kaltwasser Surfen. Am besten Fragen wir Maria aber mal selbst, warum, wo und wie sie Kaltwasser Surfen betreibt.

Interview mit Kaltwasser Surferin Maria Petersson

Maria Petersson

Australien bis Arktis: Was den Breitengrad angeht ist die Schwedin Maria Petersson flexibel. Foto: Michael Jepsen

Landratten.org: Hi Maria! Die Bilder von deinen arktischen Surf-Abenteuern auf Instagram haben mich total fasziniert. Wer ist die Person, die dahintersteckt? Wer ist Maria Petersson?

Maria: Haha, Danke! Ja, ich denke das sind nicht die üblichen Bedingungen, an die man denkt, wenn es ums Surfen geht.

Also, ich bin eine schwedische Surferin, die in den letzten 10 Jahren nicht wirklich in Schweden gelebt hat. Die meiste Zeit habe ich seitdem in Australien, England, Spanien und Norwegen verbracht. Ich fände es wirklich hart mich zu entscheiden, an welchem dieser Orte ich am liebsten leben würde, weil sie alle gute Wellen haben und alle haben ihre eigenen Qualitäten. Im Moment bin ich auf den Lofoten, im Polarkreis im Norden Norwegens. Hier oben gibt es nicht wirklich viele Leute, aber dafür eine Menge Wellen.

Maria Petersson Lofoten

Rippen in der Arktis: Der dicke, unbewegliche Neo hält Maria nicht auf.

Landratten.org: Was fasziniert dich an Orten wie den Lofoten? Ihre Schönheit? Die Einsamkeit? Die Herausforderung?

Maria: Es gibt eine Menge schöner und toller Dinge an den Lofoten, wegen der es sich lohnt im kalten Wasser zu surfen. Im Winter gibt es schneebedeckte Berge und das Nordlicht und im Sommer kann man Tag und Nacht surfen, weil die Sonne nie untergeht! Es gibt eine Menge faszinierender Dinge an diesem Ort, aber das Wichtigste sind die Wellen! Ich habe noch nie an einem Ort gelebt, wo man so guten und konsistenten Swell mit perfektem Wind hat. Und das Beste: Niemand ist im Wasser – und wenn doch ist es höchstwahrscheinlich einer deiner Freunde.

Außerdem muss ich sagen, dass es definitiv einer der schönsten Orte ist, die ich jemals gesurft bin. Du sitzt im Line-Up mit Blick auf die schneebedeckten Berge, während ein Adler an dir vorbeifliegt. Das lässt dich einfach ständig lächeln.

Als ich das erste Mal in diesen Bedingungen gesurft bin, war es ein harter Kampf sich an den 6‘5‘4 Neo zu gewöhnen, mit 7mm Handschuhen und Booties und zu versuchen dabei irgendwie beweglich zu bleiben. Es ist ein Riesenunterschied, ob man einen 3‘2er oder einen 6‘5‘4er Neo trägt. Die größte Herausforderung ist, wenn du bei -10 Grad draußen stehst, als erstes die Handschuhe ausziehst und dann versuchst den Rest deines Neos mit eingefrorenen Fingern auszubekommen. Das ist eine Aktion! Ich gebe zu, dass ich ein paarmal geheult habe, als ich ihn ausgezogen habe.

Kaltwasser Surferin Maria Petersson in der Arktis

Allein unter Freunden: Mit vollen Line-Ups muss man sich bei solchen Bedingungen nicht rumschlagen. Foto: Pontus Palsson

Landratten.org: Hast du schon dein persönliches Limit erreicht, wo du gesagt hättest: „Ich könnte nicht unter noch kälteren Bedingungen surfen“?

Maria: Ich denke ich kann sagen, ich kann nicht unter noch kälteren Bedingungen surfen, als ich schon gesurft bin, weil das Wasser dann zu Eis gefrieren würde. In Schweden ist das Wasser nicht sehr salzig, deshalb gefriert es im Winter und der Winter ist normalerweise die Zeit, wo es Wellen gibt. Obwohl Schweden deutlich weiter südlich ist, als die Lofoten, sind Luft und Wasser deutlich kälter. Ich kann mich erinnern, wie ich vor ein paar Jahren an Weihnachten zusammen mit zwei Freunden in einem der rauesten und kältesten Schneestürme, die ich je erlebt habe surfen war. Das war ziemlich kalt!

Maria Petersson Lofoten Schnee

Ja, hier kann man surfen! Das schlimmste ist das ausziehen nach dem Surf. Foto: Pontus Palsson

Landratten.org: Hast du ein paar Tipps fürs Kaltwasser Surfen?

Maria: Haha, ich würde auf jeden Fall empfehlen zu lernen, wie man sich im Auto umzieht. Außerdem solltet ihr so viel paddeln wie es geht, um die Wärme zu behalten. Wenn du die Wärme in deinen Händen und Füßen einmal verlierst, ist es wirklich schwer sie zurück zu holen. Außerdem solltet ihr versuchen euch nachher so schnell wie möglich aufzuwärmen, sonst wird es schwer wieder auf die normale Körpertemperatur zurück zu kommen.

Ich würde auch empfehlen heißes Wasser mitzubringen, dass ihr in den Neo schütten könnt, falls ihr eine zweite Session machen wollt.

Landratten.org: Danke für deine Zeit, pass auf dich auf!

Maria: Danke für das Interview. Ich möchte mich auch bei Lapoint Surfcamps bedanken, RandomBastards und Odd Molly, dafür, dass Sie einfach großartig sind 😉

Maria Petersson

Der schöne Ausblick lässt die kälte manchmal vergessen. Foto: Michael Jepsen

Maria Petersson Arktis Welle

Cleane Arktis-Welle. Wenn es nur nicht so kalt wäre. Foto: Pontus Palsson

 

Leave A Comment