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Fitness / Training

Indo Board & Co.: Surf Balance Boards im Test

Beim Surfen ist es von großem Vorteil, wenn man gut und sicher auf seinem Board steht. Schließlich dreht sich alles nur um diese 10-30 Sekunden, die man auf einer Welle fährt. Der Trainingseffekt in diesem Zeitraum ist natürlich sehr überschaubar. Daher ist es naheliegend, dass man auf die Idee kommt, seine Balance und die dafür benötigten Muskelgruppen auf andere Art und Weise zu trainieren. Besonders dann, wenn gerade keine Wellen in Sicht sind. So wurde z.B. auch von Surfern das Skateboard erfunden. Es gibt aber auch Varianten für die eigenen 4 Wände – Surf Balance Trainier für zuhause. Klassiker ist das Indo-Board, quasi das Tempo-Taschentuch unter den Surf- Balance Boards. Mittlerweile gibt es aber zahlreiche Alternativen. Ich habe einige Varianten genauer unter die Lupe genommen und mir ein Bild davon gemacht, was das ganze überhaupt bringt.

Zunächst mal, wie unterscheiden sich die Balance Trainer voneinander? Das klassische Indo Board ist nichts anderes als eine Rolle und ein Brett mit zwei Stoppern an den Enden, die verhindern, dass man zur Seite über das Ende hinaus rollt. Das heißt es gibt (zumindest in Grundstellung) nur einen lateralen Freiheitsgrad, nach vorne und hinten muss kein Gleichgewicht gehalten werden. Wer etwas mutiger ist, kann das Brett um 90° drehen, so dass das Gleichgewicht nur über die Querachse gehalten werden muss, jedoch nie in mehrere Richtungen gleichzeitig. Der Markt gibt aber mittlerweile mehr her. Neben dem Indo-Board habe ich für den Surf Balance Board Test mit dem Cool Board und dem Wonky Board deshalb zwei Produkte ausprobiert, die mehr Freiheitsgrade haben. Vervollständigt wird das Testfeld durch das Daffy Board, welches nach dem gleichen Prinzip wie das Indo-Board funktioniert.

Surf Balance Board

Bild: Einige Balance Boards, wie hier das Daffy Board, laden zu allerhand spielereien ein. Balanciert man längs auf der Rolle, ergibt sich ein ganz neue Herausforderung.

Was bringt das Surf Balance Board Training?

Auch das beste Balance Board lässt kein originales Surf-Feeling aufkommen. Man kann zwar einiges simulieren und üben, aber mit Geschwindigkeit und Fliehkraft in den Turns ist es einfach etwas völlig anderes, als wenn man sich in der Wohnung auf einem Holzbrett dreht. Trotzdem – die Dinger machen irre Spaß! In der Zeit, in der ich die Testbretter bei mir rumstehen hatte, konnte ich es kaum erwarten nach Hause zu kommen, aufzuspringen und neue Tricks und Übungen auszuprobieren. Und ich glaube, wenn man es clever anwendet, bringt das Ganze auch was fürs Wellenreiten. Gerade für den ‚landlocked‘ Surfer finde ich es eine interessante Komponente, um in der „meerfernen“ Zeit an seinen Skills zu arbeiten. Es wird die stabilisierende Hüftmuskulatur stark beansprucht und mit entsprechenden Übungen wie z.B. Squats im Surf-Stance, kann die beim Surfen so wichtige Beinmuskulatur hervorragend trainiert werden. Außerdem kann man durch Drehungen sehr gut trainieren, nach einem Turn wieder das Gleichgewicht zu finden. Daher: Meiner Meinung nach, sollte jeder Surfer so ein Gerät zuhause haben. Im Netz findet man auch allerhand „wissenschaftlicher“ Erklärungen, zum Nutzen von Balance Boards. Die würde ich aber einfach mal außer Acht lassen, denn letztendlich hilft nur eins: Selber ausprobieren. Für mich sind die Dinger Gold wert. Ich hatte vor ein paar Jahren einen Knorpelschaden im Knie und seitdem in dem Bereich öfters Probleme. Das regelmäßige Balance Board Training hat mir in kürzester Zeit (2-3 Wochen) deutlich mehr Stabilität in den Knien gegeben und die Beschwerden fast komplett beseitigt.

Cool Board - Surf Balance Board

Bild: Auf dem Cool Board wird eine einfache Kniebeuge zu einer ganz anderen Herausforderung.

Die Richtige Unterlage für Surf Balance Boards

Der heimische Parkettboden ist sicher nicht der richtige Untergrund für ausgedehnte Balance Board Sessions. Macken sind sonst vorprogrammiert. Grundsätzlich kann man sagen: Die Oberfläche sollte eher glatt, unempfindlich und nicht zu weich sein. Je weicher, desto langsamer die Rollgeschwindigkeit – das gilt für alle Boards. Eine Yogamatte ist daher nicht die optimale Unterlage. Durch die weiche Beschaffenheit versetzt sie sonst die Balance Boards in den Wellness Modus. In manchen Situationen, wenn man sich z.B. an neuen Tricks versucht, kann man diese Eigenschaft natürlich bewusst einsetzen, um die Situation etwas zu entschärfen. Ein dünner Teppich, der wenig nachgibt ist für den normalgebrauch eine mögliche Variante, je nach Beschaffenheit droht hier aber ein verrutschen und drehen. Absolut Top von der Beschaffenheit her ist die Matte, die mit dem Daffy Board geliefert wird, ich habe sie auch für alle anderen Boards verwendet. Bei den mehrdimensionalen Boards ist das längliche Format mit einem Abmaß von 1520x580mm jedoch nicht wirklich ausreichend, so dass ich an der langen Seite noch mit einer Yoga-Matte zusätzlich abgesichert habe. Wer sich eine individuell passende Arena bauen will, kann auf eine Puzzlematte*, wie man sie in einigen Fitnessstudios findet, zurückgreifen.

Barfuß oder mit Schuhen aufs Balance Board?

Die Frage nach der richtigen Fußkleidung lässt sich schnell beantworten: Beim Surfen bin ich Barfuß, also Barfuß! Wer griffige Skate-Schuhe hat, kann diese anfänglich für einen stabileren Stand verwenden. Der Unterschied ist merklich, die Herausforderung wird dadurch herabgesetzt. Aber langfristig wollen wir das ja nicht.

Bild: In Gedanken in den Backside Barrel ;-) Balance Boards bringen Stabilität und Power in den Beinen.

Bild: In Gedanken in den Backside Barrel 😉 Balance Boards wie das Wonkyboard bringen Stabilität und Power in den Beinen.

Die Surf Balance Boards

Indo Board Classic

Wonkyboard Allround

Cool Board Pro-Ball Fast

Daffy Board

Indo Board Classic

Indo Board - Surf Balance Board

Die meisten haben es wahrscheinlich schon mal ausprobiert, oder zumindest irgendwo gesehen. Das Indo Board gibt es schon seit Jahren und es ist aus diesem Grunde wohl das am weitesten verbreitete Surf Balance Board. Das Prinzip ist einfach: Eine Rolle, ein Brett, an den Enden jeweils ein Stopper, damit man nicht drüber hinausschießt. Es eignet sich für Tricks wie z.B. 180‘s oder Shove-its und je nach Phantasie des Nutzers noch allerhand anderen. Dadurch, dass es auf der Rolle relativ stabil steht, hat es nur einen lateralen Freiheitsgrad. Die Verarbeitung sowohl vom Brett, als auch von der Rolle ist sehr solide. Auf der Plastikrolle sind angerauhte Streifen, welche dafür sorgen, dass die Rolle sich bei Drehmanövern auf den meistern Untergründen nicht mit dreht. Neben dem hier vorgestellten Indo Board Classic gibt es noch diverse andere Varianten.

Schwierigkeit: 2,5 von 5

Tricks: 4 von 5

Fitnessfaktor: 3 von 5

Preis/ Leistung: 3 von 5
*

Wonkyboard Allround

Wonkyboard

Für mich die Überraschung im Test! Als ich es im Internet das erste Mal gesehen habe, konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, was mich erwartet, aber das Wonkyboard hat vom ersten Draufstehen an Spaß gemacht. Mit 119 Euro das günstigste Board, was man ihm aber nicht anmerkt. Sowohl Brett, als auch Rolle sind aus Holz. Beides ist „Made in Germany“ und von entsprechender Qualität. Unter dem Brett sind im Rechteck Holzstreben eingebaut, die die Rolle führen und verhindern, dass man zu weit rollt. Bei Drehmanövern mit dem Wonkyboard wird die Rolle so immer mitgedreht. Die Holzrolle des Wonkyboards ist relativ schmal und hat abgerundete Kanten, so dass das Board auch nach vorne und hinten kippen kann. Dadurch ergibt sich im Gegensatz zum Indo Board ein weiterer Freiheitsgrad, was die Sache auf jeden Fall spannender macht. Wenn man auf das Balance Board aufsteigt, fühlt es sich auf Anhieb etwas kippeliger an, als die rein lateralen Balance Trainer Indo Board und Daffy Board, obwohl die Holzrolle ein wenig langsamer rollt als etwa die des Daffy Boards. Das Brett des Wonkyboards ist mit ca. 79cm das längste im Test. Da die Enden relativ schmal zulaufen, bekommt ein großer Mensch wie ich jedoch Probleme seine Füße unterzubringen, wenn man auf dem Board in den Surf-Stance steht. Ist aber noch Machbar und ich würde das einfach mal als zusätzliche Herausforderung betrachten. Weil man beim Wonkyboard die Rolle in verschiedene Richtungen in Bewegung setzt (sie dreht sich ja mit), ist der benötigte Platz etwas größer als bei den anderen Boards, wenn man sich voll ausleben will. Da die Rolle aus Holz ist, wäre vielleicht noch eine Langzeiterfahrung im Hinblick auf den Verschleiß interessant. Auch vom Wonkyboard gibt es verschiedene Varianten. Wer in Portugal unterwegs ist, kann sich selbst ein Bild davon machen. Im Slide Surfcamp, südlich von Porto, befindet sich ein Wonkyboard Testcenter. Zu erwerben ist das gute Stück auf www.wonkyboard.com.

Schwierigkeit: 3,5 von 5

Tricks: 3 von 5

Fitnessfaktor: 4 von 5

Preis Leistung: 5 von 5

Cool Board Pro-Ball Fast

Cool Board

Das Cool Board balanciert nicht auf einer Rolle, sondern auf einem Ball und hat somit einen 360° Freiheitsgrad. Das Gerät gibt es in verschiedenen Anspruchsstufen. Das Brett ist dabei im Prinzip immer gleich, es gibt aber zwei verschiedene Größen, welche für unterschiedliche Fuß- und Körpergrößen empfohlen werden. Von einem einfachen Kissen, über einen aufblasbaren Ball, bis hin zu den „Pro Balls“, welche in drei Größen (100, 125 und 150mm) und zwei Geschwindigkeiten verfügbar sind, gibt es ein ganzes Arsenal an Unterlagen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Da man ja ambitioniert ist, habe ich natürlich den größten und schnellsten Ball getestet. Das würde ich auch jedem empfehlen. Wer damit am Anfang noch Probleme hat, kann zur Unterstützung eine Wand oder einen Stuhl dazu nehmen, bei Regelmäßiger Benutzung bekommt man nach einiger Zeit auch die maximale Ausbaustufe unter Kontrolle. Und die hat es durchaus in sich. Hier ist das bloße aufsteigen und balancieren ohne Hilfsmittel schon eine Herausforderung. Sobald man einigermaßen sicheren Stand gefunden hat, kann man versuchen das Board kontrolliert auf dem Ball hin und her zu rollen, oder Kniebeugen zu machen. Viel mehr ist aber nicht möglich. Das Cool Board ist eher ein anspruchsvoller Balance Trainer, den man gut in ein Fitness Work-Out einbauen kann, als ein Fun-Sport Gerät, das unglaubliche Tricks ermöglicht.

Schwierigkeit: 5 von 5

Tricks: 1 von 5

Fitnessfaktor: 5 von 5

Preis/ Leistung: 3 von 5
*

Daffy Board

Daffy Board - Surf Balance Board

Beim Daffy Board läuft es nach dem gleichen Grundprinzip wie beim Indo-Board: Eine Rolle und ein Brett mit Stoppen am Ende. Was die Brettlänge angeht, sind beide Boards in etwa gleich, das Daffy Board ist jedoch eine ganze Ecke schmaler und leichter. Dadurch lassen sich Drehungen leichter einleiten und das Board wirkt etwas agiler. Die sehr glatte Rolle dreht sich dabei aber öfters mit über den Boden, so dass das Brett am Ende anders auf der Rolle steht, als eigentlich vorgesehen. Durch die geringere Breite des Bretts, fühlt man sich auch etwas unsicherer als auf dem Indo Board, wenn man z.B. um 90° gedreht auf der Rolle balanciert. Diese ist zudem etwas schneller als die griffigere Indo Board Rolle. Für den Anfänger sind die ersten Schritte dadurch wohl ein wenig schwieriger. Spaß macht aber auch das Daffy Board und die höhere Herausforderung gegenüber dem Indo Board würde ich nicht unbedingt als Nachteil sehen. Ein absolutes Plus ist die mitgelieferte Matte, welche ich beim Test auch für alle anderen Boards verwendet habe. Im Endeffekt ist das Daffy Board eine etwas günstigere Kopie des Indo-Boards mit gutem Verkaufskanal über Amazon. Wie das Wonky Board ist es ebenfalls Made in Germany.

Schwierigkeit: 3 von 5

Tricks: 4 von 5

Fitnessfaktor: 3 von 5

Preis/ Leistung: 4 von 5
*

And the Winner is…

Ein bisschen ist es sicher Geschmackssache und ich tue mir schwer ein Board wirklich hervorzuheben. Der eine mag mehr Herausforderung, der andere weniger, einer legt mehr Wert auf Tricks und der nächste sucht ein effektives Fitnessgerät. Der Preis sollte sicher auch berücksichtigt werden. Was die Herausforderung beim Balancieren angeht, ist das Cool Board auf jeden Fall ganz weit vorne. Es ist eben schon ein Unterschied, ob ich auf einer Rolle oder auf einem Ball stehe. Dadurch werden wohl so ziemlich alle Muskelgruppen angesprochen, die irgendwie mit der Balance zu tun haben. Das Cool Board ist daher ein 1A Fitnessgerät, mit dem sich die Herausforderung bei zahlreichen Übungen um ein vielfaches steigern lässt. Ein Manko ist sicher der hohe Preis, wobei es die Varianten mit langsameren Bällen deutlich günstiger gibt. Nennenswerte Tricks sind ebenfalls nicht drin.

Wer darauf Wert legt, ist bei Indo-Board und Daffy Board besser aufgehoben. Wer es ganz Wild mag, kann auf das Indo Board Kicktail zurückgreifen, dass ähnlich einem Skateboard-Deck geformt ist. Auch als Komponente für ein Workout lassen sich Indo- und Daffy Board verwenden. Nachteil bleibt, dass es nur einen Freiheitsgrad gibt. Das Wonky Board hat von allem etwas. Es hat mehr Freiheitsgrade als Indo- und Daffy Board, es eignet sich für Tricks und auch als Fitnessgerät. Hinzu kommt, dass es mit 119 Euro das günstigste Board im Test ist. Bei dem Paket kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Die Wahl fällt sicher nicht leicht, aber wenn mich jemand fragen würde, welches Balance Board ich empfehle, würde ich sagen: das Wonky Board.

3 Comments Indo Board & Co.: Surf Balance Boards im Test

  1. kati

    ich bin grade über surfnomade auf deinen Blog gekommen, tolle Themen und Texte! Ich kann den nächsten Surfurlaub kaum erwarten und mit dem besseren Wetter so langsam auch wieder motiviert, dafür etwas zu tun (als sonst größter Sportmuffel). Deshalb finde ich deinen Beitrag über die Boards super, bin schon am überlegen mir auch eins zuzulegen. Liegestütze wären für den Anfang zwar auch sinnvoll, aber ich kann mit gut vorstellen, wie viel Spaß das üben damit macht 🙂 Als Anfänger und dieses Jahr dank Praxissemester auch nur höchstes zwei Wochen zum verreisen zur Verfügung, wäre es immerhin eine kleine Vorbereitung 🙂
    ein sehr schöner Blog! liebste Grüße, kati

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    1. DennisDennis

      Hi Kati! Schön, dass dir mein Blog gefällt! Wenn du Fit zu deinem Surftrip aufbrichst, dann hast du am Ende einfach viel mehr davon! Wenn eine konkrete Reise bevorsteht, motiviert mich das immer mich aufzuraffen. Eine super Möglichkeit ist auch Stand-Up Paddling, bzw Paddleboarding, weil das nicht so monoton und langweilig ist, wie z.B. Schwimmen und du in der Natur bist. Dazu geht morgen übrigens bei mir ein Artikel online und demnächst eventuell noch eine Weiterer, konkret zum Thema Training mit dem Paddleboard.

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