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Finless Softboard Catch Surf Beater: Spaßmaschine im Test

Seit einigen Jahren sieht man sie immer öfter: Finless Boards mit Soft-Top. Genau wie die traditionellen hawaiianischen Alaia-Boards verzichten sie auf Finnen, bieten aber durch ihre Bauweise deutlich mehr Auftrieb und erlauben es leichter auf die Welle zu kommen. In Europa sind Sie bisher noch nicht sehr verbreitet, aber das ist sicher nur eine Frage der Zeit. Die Mini-Boards sollen maximalen Spaß auch in kleinen Wellen und durchwachsenen Bedingungen bieten. Am weitesten verbreitet ist wohl das Catch Surf Beater. Genau das habe ich mir als 5‘4“er besorgt und in einer stürmischen Nordsee getestet.

Vielleicht seid ihr ja schon mal über eines der zahlreichen Videos im Netz gestolpert, in denen mit einem Beater durch die Wellen gepflügt wird. Catch-Surf hat ein hochkarätiges Team mit einigen Top-Stars, wie etwa Vorzeige-Psychopath Jamie O’Brien zusammengestellt, um seine Bretter zur promoten und der Welt zu zeigen, was für einen Unsinn man damit verzapfen kann. Aber taugt das Gerät auch für den Normalverbraucher? Catch Surf verspricht: „The Beater will turn an average beach day into an epic tale of radness“. Und das, so Catch Surf, für jeden Durchschnittsurfer. Also auch für mich.

Catch Surf Beater - landratten.org

Beater in Action auf Bali – Das Foto ist aus dem Landratten Archiv, die Testbedingungen waren leider weniger ansehnlich.

Das wollen wir doch mal sehen, habe ich mir gedacht und mir ein Board zum Test bestellt. Der DPD-Mann klingelt, ich stürme aufgeregt zur Tür und reiße das Paket auf. Zum Vorschein kommt ein Softboard mit seltsamer Form und Comic-Design – irgendwie kommt man sich da vor wie ein kleiner Junge, der ein neues Spielzeug bekommen hat. Genau das ist das Beater auch, ein Surf-Spielzeug. Es  geht eher um Spaß am Experimentieren, als um absolute Performance – halt wie früher mit Mama und Papa im Sommerurlaub, als ich mich das erste Mal mit meiner Luftmatratze in die Brandung geworfen habe. Also auf nach Holland zum Test!

Welche Idee steckt hinter dieser Art Board? Warum muss es ein Soft-Top sein? Das hat mir seiner kalifornischen Herkunft zu tun. Dort ist es nämlich nicht erlaubt sich mit einem „harten“ Surfboard an Badestränden aufzuhalten, an denen auch Schwimmer unterwegs sind. Das Catch Surf Beater umgeht dieses Verbot durch seine relativ weiche Oberfläche. Die Bauweise ist dabei nicht wie ein Anfänger-Surfboard, das mit Schaumstoff ummantelt ist, sondern wie ein Bodyboard. Dadurch, dass es sehr kurz ist, ist es auf den ersten Blick auch sehr leicht mit einem Bodyboard zu verwechseln.

Beater Johnny Redmons Design - landratten.org

Preisverdächtiges Design bei der Johnny Redmond Edition. Das Board nimmt sich selbst nicht zu ernst 🙂

Finless oder Twin-Fin – Das Beater kann beides

Das Catch Surf Beater gibt es in verschiedenen Ausführungen. Zur Verfügung stehen die Längen 4‘8“ und 5‘4“, wobei ersteres wohl eher für Kinder und Jugendliche gedacht ist. Außerdem kann zwischen Finless und Twin-Fin Ausführung gewählt werden. Entscheidet man sich für das teurere Pro-Model, kann man sein Board je nach Lust und Laune zwischen Finless oder Twin-Fin hin- und her konfigurieren. Ich hatte es zwar ursprünglich auf die Finless Version abgesehen, aus Gründen der Verfügbarkeit ist dann aber ein Pro-Model in meinen Besitz übergegangen. Umso besser, dann kann ich euch sowohl von der Finless-, als auch der Twin-Fin-Erfahrung berichten!

Das Beater sieht aus wie ein Hybrid aus Bodyboard und Surfboard.  An der Unterseite sind leichte Kanäle eingelassen –ähnlich wie bei einem Wake-Skate – um wenigstens etwas Geradeauslauf-Stabilität zu erhalten. Es ist 5‘4“ lang, hat quasi keinen Rocker und ein Volumen von 29,5l und damit etwa 2-3l weniger, als die Shortboards, die ich normalerweise fahre. Mit 1,95m und 85kg bewegen sich meine Körpermaße wahrscheinlich am oberen Ende der potentiellen Beater-Piloten, wie der Test später zeigen wird, sind sie aber allemal noch passend.

Erwählter Testort war eine winddurchpflügte Nordsee, mit 40km/h Onshore-Wind und 1,2-1,4m Windswell bei 7s in Bergen aan Zee, Nordholland. Ohne das Testboard im Gepäck hätte ich bei diesen Bedingungen wahrscheinlich mit einer Strandbar vorlieb genommen. Aber unter den Umständen gab es kein zurück! Und ich muss sagen, bereut habe ich es nicht. Die Beschreibung „Epic Tale of Radness“ wäre zwar mehr als übertrieben, aber ich hatte auf jeden Fall eine gute Zeit im Wasser.

Erster Tag: Das Catch Surf Betaer als Finless

Beim Rauspaddeln flutscht das Beater unter meinen 85kg leicht durch die alle 7 Sekunden entgegenkommen Nordseewellen, während nebenan eine Gruppe Surfer mit Mini-Malibus einen verzweifelten Kampf führt, ohne wirklich von der Stelle zu kommen. Das ich heute ohne Finnen unterwegs bin, merke ich schon beim Duck-Diven. Mit etwas mehr Achtsamkeit ist es aber kein Problem das Board dabei zu stabilisieren.

Und da kommt mir auch schon die erste potentielle Testwelle entgegen. Das winzige Beater lässt sich in Sekundenbruchteilen wenden. Diese Flexibilität ist unter derart verworrenen Bedingungen Gold wert. Also Vollgas in die andere Richtung und siehe da, ich surfe meine erste Welle. Vom verwaschenen Peak runter setze ich intuitiv zum Bottom-Turn an und merke sofort, dass das Tale ausbricht. Ach ja, ich hab ja keine Finnen. Ich gehe tief in die Hocke, fahre zwei Sekunden rückwärts und lande im Wasser. Danach muss ich erstmal totlachen. Und denke: „Das Ding hat potential!“

Es folgen weitere Wellen und einige verbockte Take-Offs. Das kleine Beater will vom absoluten Peak der Welle gefahren werden, sonst wird es mit ausreichendem Vortrieb eng. Die Fahrweise ohne Finnen ist schon gewöhnungsbedürftig. Intuitive Bewegungen, die man vom Shortboard gewohnt ist, führen oft und gerne zum Abwurf. Ich denke aber unter cleaneren Bedingungen lässt sich eine bessere Kontrolle gewinnen. Da sowas an der Nordsee aber eher selten ist, kommen am zweiten Testtag die beim Pro-Model mitgelieferten Finnen zum Einsatz.

Zweiter Tag: Das Catch Surf Beater als Twin-Fin

An Tag 2 hat der Wind hat auf Cross-Shore gedreht, wodurch der Windswell noch etwas schlapper geworden ist. Die dadurch aufgeblasene Querströmung ist so stark, dass ich nach wenigen Minuten aufgebe dagegen anzupaddeln. Ich lasse mich einfach den kilometerlangen Strand entlang treiben. Hin- und wieder schaffe ich es eine Welle ein paar Meter zu fahren. Entweder werden sie schnell zu fett, oder brechen gleich auf ganzer Breite zusammen.

Dann finde ich mich plötzlich an einer Stelle mit einem kleinen Shorebreak wieder. Die Wellen bauen sich kurz auf und brechen dann bis direkt auf den Strand. Hier kriegt man mit dem Beater genug Speed und ich bekomme ein Gefühl dafür, wie sich die Twin-Fin Variante so verhält. Nämlich wie ein ziemlich radikales Short-Board. Mit etwas Speed kommt man ohne große Mühe in die Turns. In dem kleinen, für die Größe aber dennoch recht kraftvollen Nordsee Shorebreak fühlt sich das an wie Surfen im Miniaturformat, aber irgendwie gut!

Catch Surf Beater - landratten.org

Leichtes Gepäck: Das Beater ist kürzer als 1,6m und hätte auch in einem deutlich kleinerem Auto Platz gefunden.

Um das volle Potential des Catch-Surf Beater, insbesondere der Finless-Variante, auszuloten sind wohl 1. bessere Bedingungen und 2. etwas Übung notwendig. Mein Fazit ist dennoch sehr positiv. Es ist sicher nur eine Ergänzung für Leute, die schon eine Auswahl an Bretter für verschiedene Bedingungen zur Verfügung haben, aber es kann sicher nicht schaden so ein Teil in sein Arsenal mit aufzunehmen! Was die beiden Testtage angeht, so hatte ich das Gefühl, dass ich mit dem Beater den zahlreichen Malibu-Piloten, die ihr Glück in der zerklüfteten Nordsee gesucht haben, etwas voraushatte. Ich bin kein ausgesprochener Nordseefreund, aber wenn schon, dann ist es sicher kein Fehler hier das Beater im Gepäck zu haben. Nur Schade, dass mein Board-Bag Grenzen hat, ich hätte gerne mal einen Test in Portugal unter besseren Bedingungen gemacht. Steht aber auf meiner Liste 😉

1 Comment Finless Softboard Catch Surf Beater: Spaßmaschine im Test

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