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Fitness

Durch gute Fitness das Maximale aus deinen Surftrips rausholen

Eigentlich ist es ganz gut in Deutschland. Das Wetter ist zwar meistens Mist und die Leute sind oft unfreundlich, dafür funktionieren viele Dinge aber sehr gut. Der öffentliche Nahverkehr, die Müllentsorgung. Außerdem ist es sicher und es gibt überall schnelles Internet. Das Leben in Deutschland ist eigentlich ganz bequem. Deshalb fangen die meisten der immer zahlreicher werdenden deutschen Surfenthusiasten auch nicht gleich ein neues Leben am Meer an, sondern hangeln sich von Surftrip zu Surftrip durch das Jahr. Um bei einem so schwer zu erlernenden Sport weiter zu kommen, darf man dann natürlich keinen der wenigen Tage die man zur Verfügung hat verschwenden. Vorbereitung ist deshalb alles.

Ohne die richtige Fitness kein guter Surf

Wellenreiten stellt hohe Ansprüche an den Körper. Bevor es überhaupt richtig losgeht, muss man erstmal ordentlich paddeln und duck-diven. Im Line-Up angekommen nehmen die Wellen dann nicht jedes dahindümpelnde Treibgut mit, sondern nur die Surfer, die mit einem kräftigen Paddelschlag für entsprechenden Vortrieb sorgen. Und wenn man dann eine richtig schnelle Welle surfen will, kommt als nächstes besser ein explosiver Take-Off, denn sonst schließt sich die Waschmaschinenklappe schneller als einem lieb ist. Wenn man es dann doch geschafft hat, wird der komplette Körper benötigt, um das Brett zu steuern. Insbesondere die Beine müssen jetzt gut in Form sein, sonst wird aus dem aggressiv angesetzten Turn ein Rohrkrepierer.

Was wird nun wohl passieren, wenn ich einen Kaltstart hinlege und ohne jegliches Training surfen gehe? Genau… Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viele Leute es für eine gute Idee halten sich vom heimischen Sofa direkt ins Line-Up zu stürzen. Für mich bedeutet ein idealer Surftrip jeden Tag Wellen und täglich mindestens 2 Sessions. Ich könnte mich natürlich mit einer Session begnügen und alle 3 Tage eine Pause einlegen. Bei einer begrenzten Zahl von Tagen am Meer ist dann aber jeglicher Fortschritt ausgeschlossen. Deshalb gehe ich nie ohne entsprechendes Training surfen.

In diesem Beitrag werde ich einige Möglichkeiten diskutieren, wie man sich zwischen seinen Surfaris fit halten kann. Basis ist meine persönliche Erfahrung. Ich freue mich über Kommentare mit euren eigenen Tipps und Erfahrungen. Ich werde in Zukunft noch einen Artikel erstellen, in dem ich genauere Vorschläge für Trainingsprogramme mache, die ihr in euren Alltag einbauen könnt.

Technik über alles – Die korrekte Ausführung ist das wichtigste

Das oberste Gebot bei jedem Sport und jeder Übung: Die Technik muss stimmen. Bei der Verbesserung eurer Surf-Skills beschäftigt ihr euch (hoffentlich) auch intensiv mit der korrekten Ausführung der Bewegungen und lasst euch von Könnern Tipps geben. Andere Dinge, wie Kniebeugen oder Joggen scheinen dagegen trivial zu sein, doch die wenigsten beherrschen sie korrekt! Wenn man sich einen (sogenannten) Functional Fitness Kurs in einem Fitnessstudio ansieht, ist das meistens ein absolutes Trauerspiel. „Kannst du ne Kniebeuge?“- “ Klar!“- Arsch nach unten und wieder hoch. Dabei kollabieren die Knie, die Hüfte kippt nach hinten und der Rücken ist Rund. Im schlimmsten Fall macht der Nichtkönner das dann noch mit einem Gewicht auf den Schultern.

Um die notwendige Motorik und Mobilität für eine scheinbar so simple Übung wie die Kniebeuge zu erlangen, kann man gut und gerne Wochen oder Monate brauchen. Das ist kein Grund diese nicht zu machen, im Gegenteil. Man sollte nur von Anfang an wissen wie es richtig geht und darauf hinarbeiten. Falsche Bewegungen sind oft Ausweichbewegungen aufgrund fehlender Mobilität oder Schwächen an stabilisierenden Muskelgruppen. Muskuläre Disbalancen können sich so festigen und der eigentliche Zweck eines funktionalen Trainings wird verfehlt. Die korrekte Ausführung ist daher das wichtigste bei jedem Sport! Lasst euch nicht von Zahlen treiben. Kilometer, Gewicht und Wiederholungen sind nur die zweite Priorität. Lieber 1 korrekte Wiederholung, als 10 falsche. Lieber langsam und gut laufen, als schnell und dreckig. Surfen ist motorisch sehr anspruchsvoll und es ist nie ein Fehler, wenn ein Surfer an seiner Motorik arbeitet!

Kelly Starret ist ein absoluter Mobilitäts- und Bewegungspapst, der vom CrossFit kommt. Neben seinem absolut empfehlenswerten Buch „Becoming a Supple Leopard“ (Siehe Link unten unter CrossFit), betreibt er auch einen YoutTube Channel. In seinen Videos behandelt er zahlreiche Sportarten. Es lohnt sich auf jeden Fall mal nachzusehen, ob für dich was dabei ist. Noch mehr gibt es gegen Bezahlung auf seiner Internetseite mobilitywod.com.

Training für Surfer – Meine Vorschläge

Laufen

Damit kann man eigentlich nichts falsch machen. Ausdauer ist hilfreich und starke Beine sind fürs Surfen unverzichtbar. Außerdem braucht man dazu nichts und kann es im Prinzip immer und überall machen. Die Belastung im Wasser ist eher dynamisch, deshalb empfehle ich kürzere Tempoläufe von etwa 30 Minuten. Lange Ausdauerläufe oder eine Halbmarathonvorbereitung sind nicht nötig. Wichtig ist eine gute Lauftechnik um die Knie zu schonen und viel Power aus der Hüfte generieren. Anfänger sollten auf jeden Fall mal ein Lauftraining besuchen. Die bietet heute fast jedes Sportgeschäft an. Trail-Runs trainieren zusätzlich Koordination und Stabilität. Da der Oberkörper nicht trainiert wird, sind in jedem Fall Ergänzungen notwendig.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

Fitnessstudio

Ich bin zwar in einem Fitnessstudio angemeldet, aber mit Namen kennt man mich dort nicht. Wenn ich mir viel vorgenommen habe, gehe ich gerne dorthin, weil die Verlockung abzubrechen geringer ist als beim Training zuhause. Einige der Gerätschaften der Functional Fitness Bewegung sind ganz lustig, aber wirklich brauchen tut man sie nicht. Geführte Geräte verwende ich nur nach Verletzungen. Die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio ist eine nette Ergänzung, aber nicht unbedingt notwendig, um richtig fit zu werden.

Meine Wertung: 2 von 5 Punkten

Fitness zuhause

Wenn man in seiner Wohnung ein paar Quadratmeter Platz schaffen kann, hat man eigentlich alles, was man für ein ordentliches Fitnesstraining braucht. Wenn nicht, bietet vielleicht der nächstgelegene Park die entsprechende Plattform. Zuhause kann man jederzeit loslegen und es geht keine Zeit für An- und Abfahrt drauf. Passende Trainingsprogramme gibt es im Netz und in Büchern zu genüge. Beim Fitnesstraining bevorzuge ich generell eher die Basics an Übungen (z.B. Liegestütz oder Kniebeuge) und diese motorisch zu 100% korrekt ausgeführt. Die Gefahr besteht darin, dass das Sofa nicht weit ist.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

CrossFit

Habe ich eine Zeit lang ausprobiert. CrossFit bietet sehr mitreißende Workouts, bei denen man an seine Grenze geht. Es werden viele Übungen mit Langhanteln gemacht, für die Power Lifter und Gewichtheber Jahre lang trainieren. Beim CrossFit macht man diese 50 mal in 12 Minuten. Das resultiert in einer relativ hohen Verletzungsgefahr, wenn man nicht akribisch auf die korrekte Ausführung achtet. Koordination kommt bei den meisten Workouts zu kurz. Wer CrossFit machen will, sollte auf jeden Fall bei Kelly Starret nachlegen, wie er die Übungen perfekt macht. Dessen Buch „Becoming a Supple Leopard“, oder auf Deutsch „Werde ein geschmeidiger Leopard“, ist auch für jeden sonstigen Fitnessinteressierten zu empfehlen.

Meine Wertung: 3 von 5 Punkten

Paddeln mit dem Board

Um mit dem Surfbrett zu paddeln braucht man kein Meer. Ob Kanal, See oder Fluss, vor unserer Haustür gibt es zahlreiche Möglichkeiten an seiner Paddle-Power zu arbeiten. Auch Duck-Dives können trainiert werden. In unseren Gefilden ist es leider keine ganzjährige Alternative.

Meine Wertung: 5 von 5 Punkten

Schwimmen

Paddeln auf einem Surfbrett hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kraulschwimmen. Wer es noch besser imitieren will, krault mit dem Kopf über Wasser und einem Pullboy zwischen den Beinen. Ein korrekte Technik ist auch hier wichtig. Das Seepferdchen ist keine ausreichende Qualifikation um sportlich zu schwimmen. Manchmal bieten Schwimmvereine Leergänge oder offene Trainings an. An den meisten Unis ist der Uni-Sport gegen Mehrbetrag auch für nicht Studenten offen, dort werden auch fast immer Schwimmkurse angeboten.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

Wasserball

Mit dem Wasserball habe ich schon vor Jahren angefangen um mich fürs Wellenreiten fit zu halten. Geschwommen wird dabei zu genüge und Wasserball-Kraulschwimmen, mit dem Kopf über Wasser ist dem paddeln noch ähnlicher. Wem es zu Monoton ist im Schwimmbad Kacheln zu zählen, den motiviert es vielleicht hinter einem Ball her zu schwimmen, Bei mir hilft es. Der einzige Nachteil ist, dass man an ein Vereinstraining gebunden ist.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

Stand-Up Paddeln

Diesen Sommer habe ich von dem Trend der aufblasbaren SUPs (Inflatables) Wind bekommen und mir gleich eins Angeschafft. Wichtig ist, dass man eine Race-Shape mit Kiel wählt. Diese haben guten Geradeauslauf und sind für Trainingszwecke am besten geeignet. Mit der richtigen Paddeltechnik trainiert man fast den ganzen Körper, am stärksten den Rumpf und Rücken. Im Line-Ip halte ich zwar nicht so viel davon, als Trainingsgerät aber absolut empfehlenswert! Auch wenns nicht das Meer ist, Training draußen auf dem Wasser fühlt sich einfach gut an!

Meine Wertung: 5 von 5 Punkten

Apneu-Tauchen

Tauchübungen stehen bei mir regelmäßig auf dem Plan. Beim Surfen bleibt einem regelmäßig die Luft weg und dann gilt es Ruhe zu bewahren. Vorbereitung hilft. Im Meer ist Free Diving der Knaller. Hier zulande gibt es zwar keine ähnlich attraktiven Gewässer, es gibt aber viele Vereine, die ein Apnoe-Training anbieten. Wer dabei etwas Action haben will, kann auch mal Unterwasser-Rugby probieren.

Meine Wertung: 5 von 5 Punkten

Balance Trainer

Der Klassiker ist das IndoBoard. Das trainiert die Balance und mit etwas Phantasie ergeben sich zahlreiche Übungen zum Training der Beine. Der Preis ist recht hoch für ein Holzbrett mit einer Plastikrolle. Mittlerweile gibt es diverse Nachahmungen für deutlich günstiger. Weniger surfspezifische Balance-Boards gibt es noch günstiger in jedem Sportgeschäft.

Meine Wertung: 3 von 5 Punkten

Mobilität/ Yoga

Für die meisten trainierenden ein Stiefkind, aber Moilität sollte in keinem Surf-Trainingsprogramm fehlen. Manchen Leuten können einige Übungen nicht korrekt ausführen, weil ihnen einfach der nötige Bewegungsradius fehlt. Zudem können verkürzte Muskeln zu allerlei Leiden und Schmerzen führen. Ich baue jede Woche mehrere Mobilitäts- und Stretching- Einheiten ein. Immer beliebter wird auch die Kombination von Surfen und Yoga. Wer sich aber auf moderierte Yoga- Stunden beschränkt, vernachlässigt unter Umständen seine Schwachstellen. Um an diesen zu arbeiten sollte sich jeder Yogi zusätzliche Zeit allein reservieren. Bei der Vielzahl von Richtungen gilt es zudem erstmal die richtige für sich zu finden.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

4 Comments Durch gute Fitness das Maximale aus deinen Surftrips rausholen

  1. Chris

    Könntet ihr nicht vielleicht eine Kategorie über surftrips einführen, in der ihr eure Erfahrungen, Tips und Infos zu den Surfrevieren die schon abgesurft habt weitergebt! Wenn man mal was Neues ausprobieren möchte steht man sonst immer vor schweren Entscheidungen! Da kann man sich auch leicht mal „verbuchen“!

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    1. DennisDennis

      Hi Chris! Es ist für die Zukunft einiges geplant, eine solche Kategorie aber bisher nicht. Mittelfristig wird es aber ein Forum geben, wo es sicher auch eine Thread zu dem Thema geben wird 😉

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  2. anna

    Da ich selbst lange und viel laufe, kann ich nur bekräftigen, dass ein lauftraining nicht nur Spaß macht, sondern super effektiv ist. Viele routieren im Oberkörper, was langfristig zu Problemen im unteren Rücken führen kann. Dr. Matthias Marquardt erklärt in seinen Büchern sehr verständlich, wie man besser läuft und welche Übungen einen gut vorbereiten…

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