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Ausrüstung / Safety

Die Leash an der dein Leben hängt

Die Leash – jeder Surfer kennt sie- doch nicht jeder weiß sie gebührend zu schätzen. Dabei ist sie für unsere Sicherheit von enormer Wichtigkeit. Eine alte oder schlechte Leash ist beim Surfen ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Warum das so ist und wie man dazu beitragen kann, dass die Leash hält, möchte ich in diesem Beitrag einmal genauer betrachten.

In meinem Artikel „Haie oder Kokosnüsse“ habe ich schon mal erwähnt, dass die weitaus größte Gefahr im Meer von Strömungen ausgeht und das Surfer oft als Rettungskräfte für leichtsinnige Schwimmer herhalten müssen. Aber was macht eigentlich den Unterschied zwischen Surfern und Schwimmern und was sorgt dafür, dass wir als Surfer nicht bei jeder Strömung selbst in Not geraten? Genau! Unser Surfbrett! Mit unserem Board können wir mit weniger Anstrengung schneller paddeln als ein Schwimmer und wenn wir mal nicht mehr können, gibt es uns den nötigen Auftrieb um nicht einfach abzusaufen. Da kann man sich sogar unter Umständen mal eine Fehlentscheidung leisten und versuchen gegen eine Strömung anzupaddeln (falls ihr die Erfahrung noch nicht gemacht habt: das funktioniert nie). So ein Surfbrett ist also gar keine schlechte Sache, auch wenn man gerade mal nicht auf einer Welle reitet. Selbst als Mittelklasse-Surfer begibt man sich regelmäßig in Bedingungen, in denen kein Schwimmer der bei klarem Verstand ist rausschwimmen würde. Ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will: Verliert besser nicht euer Board! Und euer wichtigstes Hilfsmittel bei dieser Mission ist die Leash.

Ungünstig ist dabei natürlich, dass gerade rauere Bedingungen dazu prädestiniert sind, Surfer und ihr Sportgerät auf getrennte Wege zu schicken. Eine große Welle hat nach einem Wipe-Out euer Board fester im Griff als eine kleine. Dann bleibt euch nur noch das Vertrauen in euren guten Freund, die Leash. Folgend ein paar Tipps, die dazu beitragen, dass eure Leash euer Vertrauen nicht bricht:

• Wähle die richtige Leash
• Säubere die Leash von Salzwasser
• Wechsle die Leash regelmäßig
• Befestige die Leash korrekt
• Transportiere Leashes auf Flügen nicht im Boardbag

Wähle die richtige Leash

Da es sich um ein Standard- Surfzubehör handelt, bietet sich ein entsprechend großes Angebot. Um uns der Herausforderung der Auswahl des richtigen Produkts zu nähern, wollen wir uns zunächst mal den Aufbau einer Leash ansehen:

Leash

Die einzelnen Teile einer Leash.

Als Kontaktpunkt mit dem Surfbrett dient ein kleines Bändchen (String-Cord), welches an der bei jedem Surfbrett am Heck eingelassenen Öse (Leash-Plug) befestigt wird. Das sieht auf den ersten Blick nicht besonders vertrauenserweckend aus, ist aber in den seltensten Fällen der Grund dafür, dass euer Board alleine auf die Reise geht. Die eigentliche Leash wird dann über den Rail-Saver (Der heißt völlig zu Recht so) mit dem String-Cord verbunden. Billige Leashes verwenden dazu einen einfachen Klettverschluss, bessere Modelle einen doppelten. Meine bevorzugten Modelle haben zusätzlich zum doppelten Klettverschluss noch einen weiteren kleinen Klettverschluss, der das Aufgehen der anderen beiden verhindert (Siehe Foto).

An den beiden Enden der Leash-Cord sind die Swivels angebracht. Diese sind – meistens drehbar gelagert – am einen Ende mit dem Rail-Saver verbunden und am anderen Ende mit dem Ankle Strap. Letzterer stellt die Verbindung zu deinem Fuß her. Auf den Swivel am Fuß kann ein relativ ungünstiger Hebel wirken, weil dieser sich nicht so frei bewegen kann wie der am Rail-Saver. Deshalb ist dies eine Schwachstelle, an welcher es häufiger zum Versagen der Leash kommen kann. Sowohl beim Ankle-Strap, als auch beim Rail-Saver ist die Qualität des Klettverschlusses von großer Bedeutung. Ein guter Klettverschluss erfordert eine erhebliche Kraft, um ihn zu öffnen. Wenn ihr in einem Surf-Shop seid, vergleicht einfach mal zwischen den verschiedenen Modellen, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Unter der Bezeichnung Performance-Leashes bekommt man Modelle, welche einen extra dünnen Leash-Cord haben. Dadurch sind die Leashes leichter und haben weniger Widerstand, wenn sie beim Surfen durch das Wasser gezogen werden. Deshalb werden sie z.B. bei Wettkämpfen verwendet. Für den Normalverbraucher ist dieser Unterschied nicht wirklich relevant und aufgrund des dünneren Cords, ist die Gefahr des Reißens deutlich größer. Wenn ihr sowas brauchen würdet, würdet ihr wahrscheinlich nicht diesen Artikel lesen, deshalb rate ich euch vom Kauf solch einer Leash ab.

Persönlich werwende ich zur Zeit Rip Curl Leashes*, ich habe aber auch gute Erfahrungen mit FCS* gemacht.

Die richtige Länge der Leash

Ein wichtiges, aber zum Glück einfach festzulegendes Auswahlkriterium beim Kauf ist die Länge. Eine kürzere Leash verursacht beim Surfen weniger Widerstand im Wasser, während eine längere mehr Bewegungsfreiheit bietet. Das ist insbesondere bei größeren Boards wichtig. Die Länge deines Boards ist bei der Länger der Leash der maßgebliche Faktor. Als Faustregel für einen Erwachsenen Surfer kann man festhalten:

• Shortboard = min. 6 ft
• Mini-Malibu = min. 7 ft
• Longboard = min. 8-9 ft

Ich habe vor die Längen jeweils ein min. gesetzt, weil es im Zweifelsfall nicht schaden kann eine etwas längere Leash zu benutzen. Es wird auch manchmal geraten die Länge mindestens 6 inch bis 1 Fuß länger als das Board zu wählen. Ich persönlich finde das für eine Mindestangabe relativ viel.

Säubere die Leash von Salzwasser

Wie bei all eurem Surf-Equipment gilt auch für die Leash: Nach dem Gebrauch sobald wie möglich mit Süßwasser abwaschen, um das Salzwasser runter zu bekommen. Salzwasser, Sand und Sonne sind Einflüsse, mit denen man alles kaputt kriegt. Leider ist man ihnen beim Surfen ständig ausgesetzt. Ihr solltet aber euer Bestes tun, um ihre Wirkung zu minimieren. Gerade bei einem sicherheitsrelevanten Part wie der Leash.

Wechsle die Leash regelmäßig

Es handelt sich um ein Verschleißteil! Euer Board könnt ihr gerne fahren bis es kaputt ist. Dann ggf. reparieren und weiter nutzen. Bei der Leash rate ich jedoch dringend zu einem präventiven Wechsel, sonst versagt sie genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Im Prinzip genau das gleiche wie beim Zahnriemen am Auto.

Befestige die Leash korrekt

Die Leash hält zwei Dinge zusammen: Dich und dein Board. Dementsprechend muss sie an beiden vernünftig befestigt werden. An deinem Körper ist der richtige Befestigungspunkt dein hinteres Bein, wenn du auf dem Board stehst. Hier wird der Ankel-Strap oberhalb des Knöchels so fest es geht angebracht. Der Swivel mit der Cord sollte dabei immer nach außen zeigen und der Strap so fest sein, dass er sich nicht mehr bewegt. Mit einer guten Leash ist das kein Problem. Die nach außen gehende Cord ist dafür wichtig, dass sie deinen Beinen nicht in die Quere kommt, wenn du auf dem Board aufstehst.

Zur Befestigung der Leash an einem Surfboard ist am Heck (Tail) eine kleine Öse (genannt Leash-Plug) eingelassen. Hier kann die String-Cord durchgefädelt werden. Sie muss dabei nicht an der Öse festgeknotet werden. Es reicht, wenn man die beiden Enden zusammenknotet und sie so durchfädelt, dass auf jeder Seite der Öse eine Schlaufe entsteht.

Durch diese kann man dann den Rail-Safer ziehen, der dann beide Enden zusammen hält. Wichtig ist, dass die Schlaufen möglichst kurz sein sollten, so dass der Rail-Saver nah an der Öse liegt. Auf garkeinen Fall darf die String-Cord so lang gelassen werden, dass sie über die Rail des Surfbretts hinausgeht. Das ist ein häufiger Fehler bei der Befestigung der Leash. So würde dein gesamtes Körpergewicht über die winzige String-Cord auf die Rail deines Boards übertragen, was zwangsläufig zu Beschädigungen führt. Der Knoten des Bändchens sollte innerhalb des Klettverschlusses des Reil-Savers platziert sein. So ist er fixiert und vor Einflüssen geschützt, die ihn lösen könnten.

Leash-Plug

String-Cord durch den Leash-Plug gefädelt. Der Cord braucht nicht festgeknotet werden.

Leash montieren

Der Knoten wird im inneren des Klettverschlusses positioniert.

Rail-Saver

Der Rail-Saiver liegt an der Rail auf und verteilt auftretende Kräfte gleichmäßig.

Transport der Leash

Wie oben bereits erwähnt, erzeugt der relativ starr abstehende Swivel am Ankel-Strap für einen relativ ungünstigen Hebel. Wenn man versucht die Leash in eine enge Tasche zu zwängen, ist das eine sehr ungünstige Kombination. In einer Boardtasche kann es außerdem passieren, dass die Cord in das Board gedrückt wird und es beschädigt. Auf einer Flugreise sollte man die Leashes deshalb nicht mit zu den Boards packen, sondern in eine separate Tasche. Ich packe sie entweder ins Handgepäck, oder den Ankle-Strap weich gepolstert ins Unterwäscheabteil meines Koffers.

Was spricht gegen eine Leash?

In diesem Beitrag habe ich mich als gnadenloser Leash-Verfechter geoutet. Ich will jedoch nicht unerwähnt lassen, dass es auch andere Positionen gibt und hier ein paar Argumente gegen Leashes aufführen. Insbesondere unter Longboardern wird der Gebrauch von Leashes rege diskutiert.

• Leashes behindern beim Cross-Steppen auf dem Longboard.
• Anfänger haben einen größeren Anreiz bei einer entgegenkommenden Welle ihr Board loszulassen und ohne Board durch die Welle zu tauchen (Gefahr für andere Surfer).
• Es ist gefährlich, wenn man sich nur auf die Leash verlässt und weniger dafür tut sein Board nicht zu verlieren.
• Insbesondere bei sehr kurzen Leashes kann es zu einem Zurückschießen der Boards kommen, welches dann den Surfer verletzen kann.
• Es ist cooler ohne Leash zu surfen (Für Surf-Hippster).

Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile aber so stark, dass es gerade für Landratten und Urlaubssurfer keine Diskussion sein sollte, ob man eine Leash benutzt. Außerdem stellt gerade in vollen Spotts ein ungebremst durch die Gegend schießendes Board eine riesen Gefahr für andere dar.

Vertraue der Leash nicht

Auch wenn man eine Leash verwendet, sollte man sich am besten so verhalten, als ob man keine hätte. Bei den Argumenten gegen Leashes habe ich schon aufgeführt, dass sie für Surfer einen Anreiz bieten sich suboptimal zu verhalten. Es ist schön, wenn unser Board an unserem Bein hängt und wir nicht hinterher schwimmen müssen, wenn wir es nicht festhalten können. Aber solche Situationen sollten wir nicht aus Bequemlichkeit künstlich herbeiführen. Schlechtes verhalten wird nicht von Leashes verursacht, sondern von Surfern! Das Wort zum Sonntag: Tu alles um dein Board festzuhalten! Ich glaube darüber werde ich demnächst einen eigenen Beitrag schreiben…

3 Comments Die Leash an der dein Leben hängt

  1. anna

    Ich fände es super noch tipps zu bekommen, wie man gut durch wellen kommt …eben ohne sein brett zu verlieren …auch wenn mir das weitestgehend gelingt…mir fehlen noch tricks, damit das auch etwas geschmeidiger aussieht…und nicht immer wie ersoffener eskimo.

    Reply
    1. DennisDennis

      Dazu wird es hier demnächst bestimmt auch mal Beiträge geben… Das beste ist natürlich, wenn einem möglichst wenig Wellen entgegenkommen. Da macht es Sinn ein Set abzuwarten und direkt danach los zu paddeln. Außerdem sollte man Channel nutzen, da brechen die Wellen nicht so stark (Wie du die erkennst erfährst du bald auf Landratten.org…). Die Techniken um durch die Welle zu kommen (Shortboard=Duckdive, Malibu=Escimo Roll) kannst du dir am besten mal bei YouTube anschauen. Aber egal welche Technik du wählst: Immer schön die Schraubzwingen(deine Hände) zu und nicht dein Board aufgeben! Garnicht erst mit den schlechten Angewohnheiten anfangen!

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  2. Pingback: Test: Was kann ein Decathlon Surfboard für 79,99? - landratten.org

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