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Asphalt-Surfen: Wie Surfskates dich zu einem besseren Surfer machen

In den letzten Jahren ist ein Trend aufgekommen, der langfristig ein Game-Changer für landlocked Surfer werden könnte: Surfskates. Nach den Parkplätzen rund um unsere Lieblingssurfspots erobern Sie auch immer mehr den Asphalt in unseren heimischen Gefilden. Wer es probiert hat, der weiß warum: Mir ist bisher noch nichts begegnet, das einen so guten Transfer zum Wellenreiten bietet wie das „Surfen“ auf dem Asphalt mit einem Surfskate. Grund genug mit Johannes von surf-skateboards.com einen Experten zu Wort kommen zu lassen.

Unter Beobachtung hatte ich die Bretter schon länger, aber irgendwie hatte es sich nie ergeben mal eine Probefahrt zu machen. Bis Landratten Surf-Coach Lois mich dieses Frühjahr auf eins gestellt hat, um mir einige schlechte Angewohnheiten bei meinen Turns auszutreiben. Es hat gut eine Minute gedauert, bis ich innerlich die Entscheidung getroffen hatte, selbst auch ein Surfskate zu erwerben.

YOW Surfskate Achse

Zusätzlicher Freiheitsgrad: Neben der seitlichen Freiheit, die jede Skateboard-Achse bietet, ist die Achse der Surfskates der Firma YOW zusätzlich verdrehbar und ermöglicht so engste Turns.

3 Gründe warum du ein Surfskate haben solltest

Ich war vom ersten Moment an absolut geflasht und seitdem ist das Surfskate nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Warum das so ist, kann ich in drei Sätzen beschreiben:

  1. Die Bewegungen und die Körperhaltung bei Turns ist die gleiche wie auf dem Surfboard und beinahe jedes Manöver, das auf dem Surfboard möglich ist, kann auch mit dem Surfskate trainiert werden.
  2. Der Nutzen eines Surfskates bei der Analyse von Fehlern und dem Training der korrekten Bewegungsabläufe ist immens!
  3. Es macht wahnsinnig Laune!

Für die meisten Surfer gehören Surfskates mittlerweile zur Standardausrüstung für „Flat Days“. Viele Leser dieser Seite sind „landlocked“ und haben dementsprechend eine ganze Menge davon, die es zu überbrücken gilt. Mit dem Surfskate bietet sich uns eine Möglichkeit, auch dann an unseren Surf-Skills zu arbeiten, wenn wir fernab vom Meer sind und so unser Surfen auf ein höheres Level zu heben.

Bei Landratten.org gilt wie immer „Ahnung über Meinung“. Und da ich selbst noch Neuling auf dem Surfskate bin, habe ich mir Unterstützung von Johannes vom ersten deutschen Online-Shop, der auf Surfskates spezialisiert ist, geholt. Surf-skateboards.com gibt es mittlerweile bereits in der dritten Saison. Daher ist Johannes in Deutschland auch einer der ersten Ansprechpartner zu diesem Thema.

Interview mit Johannes von surf-skateboards.com

Johannes macht es offensichtlich nicht zum ersten mal – also der perfekte Ansprechpartner für uns.  Foto: Surf-skateboards.com

Landratten.org: Warum sollte deiner Meinung nach jeder Surfer nicht nur im Wasser, sondern auch auf Asphalt surfen?

Johannes: Ganz einfach: Die Surfskates machen unheimlich viel Spaß!

Da wird’s vielen landlocked Surfern so gehen wie mir –  das Surffieber hat einen gepackt und man kann es kaum abwarten endlich wieder ins Wasser zu kommen und auf den nächsten Surftrip zu gehen.  Die Surfskates können hier zumindest etwas Abhilfe schaffen und die Wellen Durststrecke bis zum nächsten Surftrip überbrücken.

Die Bewegungen auf dem Surfskate kommen den Bewegungsabläufen auf dem Surfboard ziemlich nahe. Man kann Cutbacks und Turns üben, bleibt fit und startet auf dem nächsten Surftrip nicht wieder komplett von Null. Wer im Surfen besser werden will, sollte das Surfskate unbedingt mal testen!

Seit ich regelmäßig mit dem Surfskate fahre, stürze ich deutlich seltener vom Surfboard und meine Turns werden runder und weiter.

Landratten.org: Hilf uns mal bitte mit dem Begriffs-Wirr-War. Wie unterscheiden sich Longboards, Carver-Skates und Surf-Skates?

Johannes: Surfskates sehen zwar auf den ersten Blick einem herkömmlichen Cruiser Longboard sehr ähnlich, sind aber komplett verschieden. Die Surfskates haben eine spezielle Vorderachse, welche es ermöglicht mit dem Board zu Pumpen und super enge Turns zu fahren. Das heißt man kann mit den Boards Geschwindigkeit aufbauen rein durch Gewichtsverlagerung ohne dabei mit dem Fuß auf dem Boden Schwung holen zu müssen. Das ist mit einem herkömmlichen Longboard schlichtweg nicht möglich.

Carver Skateboards ist eine Brand aus Kalifornien, die Surfskates herstellt. Das ist etwa so wie Tempo und Taschentuch – Carver steht für viele für das Surfskateboard schlechthin. Neben Carver gibt es mittlerweile aber weitere Brands wie YOW Surf aus Spanien und Smoothstar aus Australien, die ebenfalls sehr gute Surfskates herstellen. Eine Übersicht der Brands mit Erfahrungsberichten zum Fahrerlebnis findet ihr auf unserer Website: https://www.surf-skateboards.com

Landratten.org: Und wie wähle ich als Surfer nun das richtige Brett für mich aus?

Johannes: Das hängt von Skateerfahrung, Körpergewicht, Größe und gewünschtem Einsatz ab. Wir haben dazu einen sehr ausführlichen Surfskate Buyer´s Guide auf unserer Website geschrieben.

Wir haben unter anderem eine Größentabelle veröffentlicht, die jedem helfen sollte das passende Surfskate zu finden.

Landratten.org: Einige Achsensysteme, wie z.B. das von YOW, sind schon extrem weich. Hast du Tipps, wie man damit trotzdem Obstacles im Skatepark meistert?

Johannes: Klein anfangen und ein Schritt nach dem anderen. Am Anfang fühlt man sich etwas wackelig, aber es ist reine Übungssache und etwas Talent schadet auch nicht.

Landratten.org: Was müssen wir sonst noch über Surf-Skates und Asphalt-Surfen wissen?

Johannes: Genug geredet! Ab auf die Straße und ausprobieren.

Tipps für Surfskate Anfänger

Wer keine 15 mehr ist, ist vielleicht etwas skeptisch, ob es das richtige ist noch mit dem Skaten anzufangen. Ich hoffe, dass der vorangegangene Text ein ausreichend starkes Plädoyer dafür war, es auf jeden Fall zu tun.

Dazu braucht es etwas Übung – Der erste Einstieg ist aber gar nicht so schwer. Foto: Surf-skateboards.com

Mach dir einfach bewusst, dass dein Ziel nicht ist in die Bones Brigade aufgenommen zu werden, sondern „lediglich“ deine Surf-Skills zu verbessern und Spaß zu haben. Mit etwas Geduld ist das Fahren auf dem Surfskate relativ leicht zu erlernen und wenn du vorsichtig bist, kommst du auch mit sehr wenig Asphaltkontakt aus. Aufgrund der weichen, beweglichen Achsen brauchst du auch keine wahnsinnige Geschwindigkeit um Surfmanöver zu trainieren. Im Gegenteil, für Höchstgeschwindigkeiten sind Surfskates mit ihrem drehfreudiges Set-Up nicht ausgelegt.

Pushen & Pumpen

Du stehst also vor deinem nagelneuen Surfskate – was nun? Als erstes heißt es logischerweise Fahrt aufnehmen. Beim Skaten erledigt man das standardmäßig durch „Pushen“. Ein Surfskate lässt sich allerdings im Gegensatz zu Skate- bzw. Longboards auch durch „Pumpen“ vorwärtsbewegen, selbst aus dem Stand und Bergauf! Grundsätzlich ist es natürlich auch nicht verkehrt mehrere Techniken in seinem Repertoire zu haben.

Beim Pushen stellst du deinen vorderen Fuß zunächst längs auf dein Board. Aufgrund der beweglichen Vorderachse ist dies bei Surfskates allerdings deutlich wackeliger als auf anderen Boards. Beginne zunächst damit dich einmal vorsichtig abzustoßen und stell deinen hinteren Fuß dann kurz hinter der Biegung auf dem Tail auf. Den vorderen Fuß kannst du nun ebenfalls quer drehen.

Wenn sich deine Geschwindigkeit verringert, dreh den vorderen Fuß wieder auf längs. Jetzt kommt der eigentlich erste richtige Push. Ziel ist, dass dein hinterer Fuß dich antreibt. Ich persönlich finde dabei die Vorstellung hilfreich eher den Boden unter dem Board wegzupushen, als das Boards anzuschieben. Der größte Teil deines Körpergewichtes bleibt auf deinem Standfuß und es gilt zu vermeiden beim Pushen auf den Antrittsfuß zu kippen. Das Beste ist wahrscheinlich diese Technik mit Hilfe von Skateboard-Videos zu visualisieren, bevor du es ausprobierst. Wie gesagt, wenn du ein Surfskate mit eher weichem Set-up hast, ist saubere Pushen gar nicht so einfach. Wenn es zu Beginn nicht so richtig klappt, dann probiere es zunächst mit dem Pumpen, der Ureigensten Fortbewegungstechnik der Surfskates.

Der eigentliche Clou an Surfskates ist nämlich, dass man sie relativ leicht durch Pumpen antreiben kann. Beim Pumpen bleiben beide Füße auf dem Board im Surf-Stance und der Vortrieb wird durch Gewichtsverlagerung auf dem Board erreicht. Dies ist ähnlich dem Rail to Rail Pumpen auf der Welle, wo es jedoch unterschiedliche Techniken für Front- und Backside gibt. Dadurch kann man nach engen Turns, bei denen man Geschwindigkeit verliert, leicht wieder fahrt aufnehmen.

Die Fußstellung auf dem Surfskate

Wie beim Surfen muss die Fußposition auch auf dem Surfskate manchmal Situationsbedingt angepasst werden. Als „Grundstellung“ sollte man jedoch den vorderen Fuß direkt hinter der Vorderachse und den hinteren Fuß auf dem Kick-Tail platzieren. Die Füße sollten so stehen, dass das Körpergewicht über der Längsachse liegt.

Turns auf dem Surfskate

Wenn du halbwegs sicher auf dem Surfskate stehst und in der Lage bist durch Pumpen voranzukommen, kannst du dich an deine ersten Turns begeben. Dies funktioniert 1 zu 1 wie auf dem Surfboard! Solltest du dich noch am Anfang deines Surferlebens befinden, beschäftige dich zunächst mit den Grundlagen. Schau dir Videos und Tutorials zum Thema Turns auf dem Surfboard an. Auf dem Surfskate hast du die einzigartige Möglichkeit die Theorie mehr oder weniger endlos in der Praxis zu üben.

Bekommst du einzelne Turns hin, kannst du nun das trainieren, was eigentlich einen guten Surfer ausmacht: Die Transition zwischen den Turns. Auf der Welle ist das natürlich deutlich schwieriger, weil auch noch das Verhalten der Welle antizipiert werden muss, aber das ist dann der nächste Schritt.

Fortgeschrittene Manöver auf dem Surfskate

Mit der Zeit kannst du dich natürlich auch an schwierigere Manöver wagen. Sowohl klassische Surf-Manöver, wie z.B. der Snap, als auch reine Surfskate-Manöver, wie z.B. der Bert-Slide (benannt nach Surf-Legende Larry Bertlemann) bieten sich an. Auch viele Obstacles im Skatepark lassen sich meistern.

Ich hoffe, dass der ein oder andere durch diesen Beitrag inspiriert wird es selbst mal auszuprobieren und dann vielleicht genauso angefixt wird wie ich. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies nicht der letzte Beitrag zum Thema Surfskates auf Landratten.org wird.

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